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Demeter: Schlechter als sein Ruf?

Im November wurde in der neuen ZDF-Wissenschaftsshow MAITHINK X Kritik am Bio-Anbauverband Demeter laut. Die Moderatorin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim warf dem Verband vor, sich fragwürdiger, unwissenschaftlicher Methoden zu bedienen. Wir haben uns näher damit befasst, ob die Kritik berechtigt ist.

Was ist eigentlich Demeter?

Demeter ist ein bereits 1924 gegründeter deutscher Bio-Anbauverband, dessen Mitglieder die sogenannte biologisch-dynamische Landwirtschaft praktizieren. Diese beruht auf der spirituell-esoterischen Weltanschauung des Landwirts Rudolf Steiner, die dieser 1924 in einer Vortragsreihe vorstellte. Demeter sieht den Landwirtschaftsbetrieb demzufolge als eine Art lebendigen Organismus, für dessen Wohlergehen auch nicht-materielle Faktoren eine Rolle spielen. So kommen auf Demeter-Höfen zum Beispiel biologisch-dynamische Mittel zum Einsatz, die unter anderem Heilkräuter enthalten. Diese eher unkonventionellen Methoden haben den Verband schon öfter in die Kritik gebracht. Andererseits gilt der Demeter-Verband, der in 60 Ländern operiert, als besonders streng hinsichtlich seiner Richtlinien. Um das Demeter-Logo benutzen zu dürfen, müssen die Höfe Anforderungen erfüllen, die zum Teil weit über die Kriterien der EG-Öko-Verordnung und die des deutschen Bio-Siegels hinausgehen. Besonders auf das Tierwohl achtet der Bio-Verband, dem in Deutschland rund 1800 Höfe angehören. Die strengen Richtlinien haben Demeter viele Anhänger eingebracht, denen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Tierschutz besonders am Herzen liegen.

Die Kritik an Demeter

Die Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim kritisierte in ihrer Sendung MAITHINK X den Einsatz der besagten biologisch-dynamischen Mittel, die als Art Heilmittel für den Boden verwendet werden. Dazu gehören zum Beispiel auch mit Kuhfladen gefüllte Kuhhörner, die für die Erde als Dünger gut sein sollen. Die Moderatorin nannte diese Methoden unwissenschaftlich und wirkungslos. Sie untermauerte dies mit Studien wie der Frick-Studie, die zu dem Schluss kam, dass biologisch-dynamische Präparate keinen positiven Einfluss auf die Bodenqualität ausüben. Des Weiteren kritisierte Nguyen-Kim die Biolandwirtschaft allgemein und forderte statt mehr Bio ein besseres Bio. Im Vergleich zur herkömmlichen Landwirtschaft wäre Bio weniger effizient, was zur Folge hätte, dass für die gleiche Menge an Ertrag eine größere Ackerfläche benötigt würde. Das würde in Zeiten, in denen die Nachfrage steigt, bedeuten, dass für mehr Bio vermehrt Wald und Wiesen gerodet werden müssten.

Auch Lob für Demeter

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim fand für Demeter aber nicht nur kritische Worte, sondern auch einiges an Lob. So erwähnte sie in ihrer Sendung die vorbildlichen Tierhaltungsmethoden auf Demeter-Höfen. Geflügel und Schweine haben hier mehr Platz zur Verfügung als auf anderen Höfen. Rinder dürfen nicht enthornt werden. Auch die Kompostierungsvorgänge der Demeter-Betriebe findet die Moderatorin gut. Bei diesem Vorgang werden Pflanzenreste unter den tierischen Mist gemischt, damit die Fruchtbarkeit der Erde erhöht wird. Nguyen-Kim zitierte eine Studie, die auf Demeter-Feldern tatsächlich mehr Humus als auf den unter normalen Bio-Bedingungen bewirtschafteten Feldern nachwies. Außerdem begrüßte sie, dass Demeter die Verwendung von Kupfer als natürliches Fungizid besonders streng reglementiert, da das Metall Würmer und andere Kleinstlebewesen angreifen könne.

Einschätzung der Demeter-Kritik

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Demeter macht sicher nicht alles richtig und die esoterische Weltanschauung, die den landwirtschaftlichen Konzepten zu Grunde liegt, muss einem nicht gefallen. Auf der anderen Seite setzt sich Demeter durch seine besonders strengen Richtlinien aber auch viel für Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein.

Quellen

https://utopia.de/news/demeter-mai-thi-nguyen-kim-kritisiert-bio-siegel-kackhoenchen-biodynamik/

https://de.wikipedia.org/wiki/Demeter

https://www.science.org/doi/10.1126/science.1071148

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stock.adobe.com / Tobias Arhelger