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Überblick

Wegwerfgesellschaft: Warum Unmengen an Neuwaren in der Wüste entsorgt werden

Unser Konsumverhalten wird von Tag zu Tag verschwenderischer. Insbesondere die Fast-Fashion-Branche produziert jährlich Unmengen an Müll, die unseren Planeten belasten. Dass riesige Konzerne wie H&M und Amazon Retouren vernichten, statt sie weiterzuverkaufen, ist längst kein Geheimnis mehr. Jetzt wurde jedoch ein neuer Tiefpunkt unserer Wegwerfgesellschaft aufgedeckt: riesige Kleiderberge aus weggeworfener Neuware, die sich in der chilenischen Wüste türmen.

Mülltürme in der Wüste

Jedes Jahr laufen rund 60.000 Tonnen Kleidung aus Europa und den USA am chilenischen Hafen Iquique ein. Ein Teil davon wird nach Südamerika weiterverkauft – der Rest landet in der Wüste. Genauer gesagt in einem der trockensten Gebiete der Welt, der Atacama-Wüste. Auf dem Fast Fashion Friedhof werden jährlich 39.000 Tonnen an Jacken, Tops, Jeans und anderen Kleidungsstücken abgeladen, ein großer Teil davon ist Neuware.

Hier wird die Kleidung zum echten Umweltproblem. Nicht nur, dass Kleidungsstücke mit Polyesteranteil bis zu 200 Jahre brauchen, um in der Natur vollständig zu zerfallen die Partikel lösen sich außerdem nicht vollständig auf, sondern bleiben als Mikroplastik in der Natur zurück. Außerdem enthalten Textilien aus der Fast-Fashion-Industrie häufig Schafstoffe, beispielsweise durch das Bleichen, Färben oder Bedrucken der Kleidung. Diese werden mit der Zeit an die Umgebung abgegeben und vergiften nach und nach die Natur um sie herum.

Die Müllberge, die durch den verschwenderischen Umgang mit Kleidung entstehen, richten dabei nicht nur in ihrem unmittelbaren Umfeld Schaden an; teilweise gerät die Kleidung in Brand und sorgt so für massive Luftverschmutzung. Das ist vor allem deshalb problematisch, weil sich viele der Deponien in der Nähe bewohnter Gebiete befinden.

„Das Problem entsteht viel früher“

Wie viele betroffene Städte hat auch nahe gelegene Alto Hospicio nicht die nötigen finanziellen Ressourcen, um das Abladen des Kleidermülls zu verhindern oder die Mülldeponie gar zu beseitigen. Lediglich fünf Inspektoren würden versuchen, die Personen zu erwischen, die den Textilabfall in die Wüste kippen, erklärt der Umweltbeauftragte Edgar Ortega. Dennoch weiß er, dass die, die den Müll letztendlich abladen, nicht die eigentlichen Verantwortlichen sind: „Das Problem entsteht viel früher.“, so Ortega. Denn da die Kleidung aus dem Ausland nicht eindeutig als Textilmüll deklariert wird, sei auch nicht geklärt, wie die aussortierte Importware entsorgt werden darf. „Solange das nicht gelöst ist, werden wir die Situation nicht ändern.“

Die Abfallmenge, die durch Fast Fashion entsteht, ist auch der Umweltorganisation Green Peace zufolge die größte Herausforderung, der sich die Modeindustrie derzeit gegenüber sieht. Anwohner:innen in und um die Atacama-Wüste stehen lediglich am Ende einer Kette der Verschwendung, für die in China produziert, in den USA und Europa konsumiert und schließlich in Chile entsorgt wird.

Quellen

https://utopia.de/news/fast-fashion-friedhof-in-der-wueste-neuware/

https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/muellhalde-atacama-wueste-101.html

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stock.adobe.com /The Cuevax