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Elektrische Modelloffensive: Wie Ferrari nachhaltiger werden will – und welche Rolle die Brennstoffzelle spielt

Das EU-Parlament hat entschieden: Ab dem Jahr 2035 sollen keine neuen Autos mit Verbrennermotoren verkauft werden. Das setzt die Automobilhersteller noch mehr unter Druck. Insbesondere Sportwagenbauer wie Ferrari. Doch die haben längst die entsprechenden Strategien in der Schublade.

Autor: Moritz Nolte

Ferrari hat die Sportwagen- und Supersportwagen-Welt so geprägt wie kaum ein anderes Unternehmen. Doch das EU-Verbrennerverbot bedeutet auch für die Italiener eine Zäsur: Kein V8-Motoren mehr wie im legendären Ferrari F40, keine V12-Verbrenner mehr wie im Enzo Ferrari. Stattdessen werden E-Motoren und die Brennstoffzelle die Zukunft der Sportwagen-Marke aus Maranello prägen.

Erster BEV-Ferrari kommt 2025

Bisher war bekannt, dass Ferrari nach den Hybrid-Sportwagen LaFerrari, SF90 Stradale und 296 GTB 2025 den ersten vollelektrischen Sportwagen auf den Markt bringen will. Wie Elektroauto-News.de unter Berufung auf eine Ferrari-Mitteilung meldet, plant Ferrari mit einer für die eigenen Verhältnisse nie dagewesenen Modelloffensive.

Zwischen 2023 und 2026 sollen gleich 15 neue Modelle auf den Markt kommen. „Bis 2026 soll das Angebot zu nur mehr 40 Prozent aus reinen Verbrennern bestehen, die restlichen 60 Prozent der Modellpalette sollen Hybrid-, Plug-in-Hybrid- und reine Elektroautos ausmachen, so der Sportwagenhersteller auf seinem Capital Markets Day 2022“.

Bereits im Frühjahr wurden Unterlagen geleakt, die Einblicke in Ferraris elektrisches Plattform-Konzept ermöglichten. Glaubt man den Skizzen aus 2019 sieht das Konzept insgesamt zwei Akku-Pakete vor. Das größte davon ist direkt hinter den beiden Sitzen angeordnet und würde damit den bei Ferrari üblicherweise in Mittelmotorbauweise angeordneten Verbrennungsmotor ersetzen. Drei weitere, kleinere Batterien werden zusätzlich im Bodenbereich unter dem Fahrer montiert. Auf diese Weise bleibt der Schwerpunkt sehr niedrig, was für die Fahrdynamik von Vorteil ist.

Die Italiener planen dabei offenbar, zwei E-Motoren an der Hinterachse, links und rechts des großen Akku-Pakets und in relativer Nähe zu den Rädern anzuordnen. An der Vorderachse sind die Elektromotoren zentral in der Mitte des Vorderwagens verbaut. Jeder Motor treibt dabei ein Rad an. Ferrari-Brennstoffzellenanlage.jpg

Modellpalette bis 2030 zu 80 Prozent elektrifiziert

Wie es danach weitergeht, ist offenbar auch schon fix: Bis 2030 will Ferrari seine Modellpalette zu 80 Prozent elektrifiziert haben. Dann sollen 40 Prozent Hybride und 40 Prozent BEV von den Montagebändern laufen. Und das ist noch nicht alles. Bis 2030 möchte Ferrari CO2-neutral sein.

Ein kleiner, dennoch wichtiger Schritt in diese Richtung: Die Italiener bauten in Maranello eine 1-Megawatt-Brennstoffzellenanlage. Sie liefert immerhin 5 Prozent der für die Produktion benötigten Energie und reduziert gleichzeitig den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen. „Neben dem hohen Wirkungsgrad bietet diese innovative Technologieplattform Flexibilität bei der Wahl der Energiequellen für den Betrieb der Anlage“, so Ferrari in einer aktuellen Mitteilung. Möglich sei die Verwendung von Wasserstoff, Erdgas, Biomethan oder eine Kombination der verschiedenen Energieträger.

Ferraris neuer CEO Benedetto Vigna: "Ferrari arbeitet härter denn je daran, bis 2030 kohlenstoffneutral zu werden, und zwar durch den Einsatz von Spitzentechnologien und einen wissenschaftlichen Ansatz, die in unserer DNA verankert sind.“ Ferrari-Capital-Markets-Day-2022.jpg

Bilder: Ferrari