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Belgien will 4-Tage-Woche einführen

Belgien hat jetzt die 4-Tage-Woche beschlossen. Angestellte dürfen zukünftig ihre Arbeitsstunden also auch an vier statt an fünf Arbeitstagen ableisten – gegebenenfalls können sie an den vier Arbeitstagen auch Überstunden machen. Der Beschluss ist Teil einer Initiative, die die belgische Wirtschaft nachhaltiger, innovativer und digitaler machen will.

Die 4-Tage-Woche in Belgien

Die 4-Tage-Woche bringt Angestellten in Belgien ein Plus an Flexibilität. Sie haben nun die Möglichkeit, ihre Arbeitsstunden auch an vier statt an fünf Tagen abzuleisten. Wenn nötig, dürfen Vollzeitangestellte an den vier Tagen länger arbeiten, um ihre Stundenzahl zu erreichen. Der belgische Premierminister Alexander De Croo sprach davon, dass die 4-Tage-Woche den Angestellten mehr Flexibilität und Freiheit geben solle. Sie hätten so bei schlussendlich gleichbleibender Arbeitszeit die Möglichkeit, den Beruf und das Privatleben besser miteinander in Einklang zu bringen. Die 4-Tage-Woche ist nur ein Pfeiler einer breitflächigen Arbeitsmarktreform in Belgien, die die Wirtschaft nachhaltiger und fortschrittlicher machen soll. Des Weiteren haben Angestellte zum Beispiel zukünftig rechtlichen Anspruch auf Weiterbildungen. Für freie Angestellte in bestimmten Branchen wurden außerdem bessere Rechte vereinbart. So bekommen freie Angestellte, die für Onlineplattformen wie Amazon oder Uber arbeiten, zum Beispiel künftig den Schutz einer Arbeitsunfallversicherung. Ziel der Maßnahmen ist es, die Arbeitnehmerquote in Belgien von derzeit 71 Prozent bis 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen.

Die Vorteile einer 4-Tage-Woche

Die 4-Tage-Woche sorgt für eine bessere Work-Life-Balance, weil Arbeitnehmer durch den freien Tag zusätzlich in der Woche mehr Zeit für Familie, Freunde und Hobbys haben. Das trägt zu mehr Ausgeglichenheit und Entspannung der Arbeitnehmer bei, was letztlich auch dem Unternehmen zugutekommt. Denn: Umso entspannter und zufriedener die Arbeitnehmer sind, desto motivierter und leistungsfähiger sind sie auch. Dazu kommt, dass die Arbeitseffizienz steigt, wenn ein Arbeitnehmer innerhalb eines relativ kurzen, intensiven Zeitraums arbeitet. Es gibt weniger Leerlauf zwischen der Arbeit, stattdessen erledigt der Arbeitnehmer fokussiert die wichtigsten Aufgaben. Mehr Entspannung und Freizeit für Arbeitnehmer bedeutet schließlich auch noch, dass das Stresslevel sinkt. Stress ist bekanntlich Gift für Körper und Seele und verantwortlich für viele körperliche und psychische Probleme. Krankheitsbedingte Ausfallzeiten sind bei einer 4-Tage-Woche geringer, was ebenfalls auch das Unternehmen erfreut. Für viele Angestellte sind geringere monatliche Anfahrtskosten außerdem ein Pluspunkt, schließlich muss man vier Tage im Monat weniger mit Auto,Bus oder Bahn zur Arbeit fahren.

Nachteile einer 4-Tage-Woche

Auch wenn die 4-Tage-Woche viele Vorteile mit sich bringt, sind mit ihr auch Nachteile bzw. Aspekte verbunden, die kritisch betrachtet werden müssen. So bedeutet die 4-Tage-Woche nicht, dass man weniger arbeitet. Stattdessen wird dieselbe Arbeitszeit wie bisher auf vier statt auf fünf Tage verteilt. In der Regel bedeutet dies für Angestellte zwei zusätzliche Arbeitsstunden an den vier Tagen. Zehn Stunden – und bei Überstunden noch mehr – pro Tag zu arbeiten, ist in den meisten Berufen jedoch sehr anstrengend. Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die Konzentrationsfähigkeit des Menschen nach fünf, sechs Stunden abnimmt. Da stellt sich die Frage, ob 10-Stunden-Tage im Endeffekt wirklich zu einer gesteigerten Produktivität führen. Zudem könnte die erhöhte Anstrengung an den vier Arbeitstagen dazu führen, dass man von dem einen zusätzlichen freien Tag kaum etwas hat, weil man von der 4-Tage-Woche so geschafft ist. Ein weiterer Nachteil betrifft Berufstätige mit kleinen Kindern. Sie müssen bei einer 4-Tage-Woche an den verlängerten Arbeitstagen zusehen, wie sie die Betreuung ihrer Kinder regeln. Schließlich bedeutet eine 4-Tage-Woche außerdem auch einen verkürzten Urlaubsanspruch, denn dieser resultiert aus den Arbeitstagen pro Woche.

Fazit zur 4-Tage-Woche

Generell ist die 4-Tage-Woche eine gute Sache, denn sie bietet Angestellten mehr Flexibilität und Selbstbestimmung. Letztlich hängt ihre Umsetzung jedoch von jedem Einzelnen und vom Unternehmen und der Branche ab. In den meisten Fällen ist die 4-Tage-Woche schließlich eine Option und kein Muss. Wer feststellt, dass er seine Arbeitszeit lieber an fünf statt an vier Tagen ableistet, kann dies auch weiterhin tun. Viele Arbeitnehmer werden die Möglichkeit aber dankend annehmen, zukünftig mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben. Eins ist auf jeden Fall sicher: Flexible Arbeitszeitmodelle werden in Zukunft auch in Deutschland eine immer wichtigere Rolle spielen und die 4-Tage-Woche wird auch hierzulande verstärkt Verbreitung finden.

Quellen

https://utopia.de/news/belgien-will-vier-tage-woche-einfuehren-bei-gleicher-arbeitszeit/

https://www.cbs.de/blog/4-tage-woche-vor-und-nachteile

https://www.rtl.de/cms/vier-tage-woche-ein-erfolgsmodell-auch-fuer-deutschland-4464891.html

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