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Überblick

Wie weit ist Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit?

Eine nachhaltige Entwicklung funktioniert nur, wenn alle Länder Hand in Hand zusammenarbeiten und jeder seinen Beitrag leistet. Deswegen haben alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen 17 globale Ziele definiert, die bedeutende Bereiche des menschlichen Zusammenlebens bis 2030 in die richtige Richtung lenken sollen. An dieser Agenda 2030 orientiert sich auch die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die die Bundesregierung im Frühjahr 2021 nachgebessert hat. Doch wie ist eigentlich der Stand der Dinge? Ist Deutschland dabei die Nachhaltigkeitsziele, zu denen unter anderem auch der Klimaschutz gehört, zu erreichen? Wir sind diesen Fragen nachgegangen.

Was besagt die Agenda 2030 eigentlich?

Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie orientiert sich an der sogenannten Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die von den UN-Mitgliedsstaaten im September 2015 verabschiedet wurde. Das Gesamtziel dieser Agenda ist eine Welt, in der jeder ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig handelt. Dafür wurden 17 Teilziele herausgearbeitet – die sogenannten Sustainable Development Goals. Diese Teilziele decken alle drei Bereiche der Nachhaltigkeit ab: Umwelt, Soziales und Wirtschaft. Mit ihrem Einverständnis zu der Agenda 2030 haben die teilnehmenden Industrie- und Entwicklungsländer sich verpflichtet, diese 17 Teilziele bis 2030 zu erreichen. Die 17 Ziele drehen sich um die 5 Ps (Planet, People, Prosperity, Peace und Partnership) und sollen zu einer besseren Welt führen, in der es keinen Hunger und keine Armut gibt und in der die Grenzen unseres Planeten respektiert werden. In dieser Welt sollen die Menschenrechte eingehalten werden und alle Länder sollen miteinander in einer weltweiten Partnerschaft an der weiteren nachhaltigen Entwicklung der Erde arbeiten.

Die Nachhaltigkeitsziele Deutschlands

An den 17 globalen Zielen der Agenda 2030 orientiert sich seit 2016 auch die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die 2021 nachjustiert wurde. Deutschland ist sich als reiches Industrieland seiner Verantwortung und Vorreiterstellung beim Bemühen um eine bessere, grünere Zukunft absolut bewusst. Eines der Kernanliegen hierzulande ist das 13. globale Nachhaltigkeitsziel, das den Klimaschutz betrifft. Deutschland hat hierbei kundgetan, bis 2045 Treibhausgasneutralität erreichen zu wollen. Um das zu schaffen, hat die Bundesregierung 2019 das Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht, das 2021 nachgebessert wurde. Darin sind unter anderem kontinuierlich sinkende Emissionsmengen festgesetzt. Erreicht werden sollen die Klimaziele durch Maßnahmen wie der CO2-Bepreisung für Verkehr und Gebäudewärme, vergünstigte Bahnfahrten durch eine Reduzierung der Mehrwertsteuer und einer Verteuerung von Flügen. Durch seine Beteiligung am Grünen Klimafonds unterstützt Deutschland zudem ärmere Länder mit 1,5 Milliarden Euro bei Klimaschutzmaßnahmen.

Auch das Bündnis für nachhaltige Textilien ist zum Beispiel als Teil der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie entstanden. Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft verpflichten sich darin, die Arbeits- und Umweltbedingungen in den Herstellerländern der Textilindustrie zu verbessern. Entlang der gesamten Textillieferkette müssen bestimmte Standards eingehalten werden, die gewährleisten, dass die Menschen in den Herstellerländern fair bezahlt werden und die Umwelt unter der Textilproduktion nicht leidet. Ein Großteil der Umsätze im deutschen Textilhandel werden mittlerweile im Einklang mit diesem Bündnis gemacht.

Was Deutschland noch tut, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Im Kampf gegen die Armut, dem ersten Nachhaltigkeitsziel, unterstützt Deutschland auf vielfältige Weise afrikanische Entwicklungsländer, in denen zum Teil mehr als die Hälfte der Bevölkerung in bitterer Armut lebt. Deutschland unterstützt Kleinbauern in den betreffenden Ländern, fördert Ausbildungen, um Fachkräftemangel entgegenzuwirken, und arbeitet eng mit Initiativen wiePro!Afrika zusammen, um die Entwicklung der Länder allgemein voranzutreiben. Für das siebte Nachhaltigkeitsziel „Bezahlbare und saubere Energie“ hat Deutschland die Energiewende vorangetrieben und sorgt für einen Ausbau der Netzkapazitäten. Darüber hinaus wurde der Austritt aus der Atomkraft und auch aus der Stromgewinnung aus Kohle beschlossen. Neben weiteren Maßnahmen und Plänen hat Deutschland auch das Vorhaben bekräftigt, Energien effizienter zu nutzen und den Energieverbrauch bis 2050 im Vergleich zu 2008 um die Hälfte zu senken. Für das Nachhaltigkeitsziel Nummer 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ wurde eine Milliarde Euro für das Sofortprogramm „Saubere Luft“ ausgegeben. Auch eine Wohnraumoffensive, die Wohnraum bezahlbar machen soll, wurde gestartet. Mit einer Vielzahl von Maßnahmen setzt sich Deutschland des Weiteren für Frieden und Gerechtigkeit ein, denn diese zwei Werte sind Grundbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung.

Der Weg stimmt, es gibt jedoch noch viel zu tun

Erste Verbesserungen hin zu mehr Nachhaltigkeit wurden in den letzten Jahren erreicht. Vor allem wurde auch das Bewusstsein in der Bevölkerung geweckt, wie wichtig Nachhaltigkeit für uns alle ist. Das sieht man aktuell auch daran, dass immer mehr Lebensmittelproduzenten auf Nachhaltigkeit setzen und es kaum noch einen Hersteller gibt, der nicht auf diesen Zug aufgesprungen ist. Dennoch gibt es auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaften und einen nachhaltigen Lebensstil noch viel Verbesserungspotential – in Deutschland und auf der ganzen Welt. So sah es auch die ehemalige Bundeskanzlerin Merkel auf dem Weltklimagipfel jüngst in Glasgow. Sie ermahnte die Staatengemeinschaft, die Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel zu erhöhen, bekräftigte zudem auch das Vorhaben Deutschlands, bis 2045 als erstes Land überhaupt klimaneutral werden zu wollen. Deutschland ist auf einem guten Weg – eine nachhaltige Art und Weise zu leben kann letztlich aber nur erreicht werden, wenn alle mitziehen.

Was wir alle tun können

Für mehrNachhaltigkeit im Einklang mit der Agenda 2030 können wir alle etwas tun, zum Beispiel durch bewusste Kaufentscheidungen. Wer ökologisch angebaute, fair gehandelte Produkte kauft, leistet bereits einen wichtigen Beitrag. Außerdem sollte jeder nur so viel konsumieren wie nötig. Nur, wenn jeder von uns globale Verantwortung für Mensch und Natur übernimmt, ist der Weg zu einer nachhaltigeren Welt geebnet. Gewöhne dir auch an, beim Einkaufen eigene wiederverwendbare Verpackungen mitzunehmen, zum Beispiel Stofftüten, statt Plastiktüten aus dem Supermarkt zu verwenden, oder verzichte, wenn möglich, komplett auf Verpackungen. Lass außerdem der Umwelt zuliebe öfter mal das Auto stehen und nimm lieber das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Das waren nur ein paar Tipps für eine nachhaltigere Lebensweise – wer wirklich nachhaltig leben will, kann in nahezu allen Lebensbereichen etwas tun, das Umwelt und Klima zugutekommt.

Quellen

https://www.bmz.de/de/agenda-2030

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/die-deutsche-nachhaltigkeitsstrategie-318846

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/nachhaltigkeit/cop26-in-glasgow-wir-muessen-das-pariser-abkommen-umsetzen-merkels-letzter-auftritt-als-klimakanzlerin/27756774.html?ticket=ST-7484132-bDVXK0Vyf5hqre745Eb5-cas01.example.org

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/die-un-nachhaltigkeitsziele-1553514

https://www.careelite.de/nachhaltig-leben-tipps-alltag/

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