Umweltschutz

Weihnachtsbaum: Erschreckender Test und ökologische Alternativen

Für viele Menschen gehört der Weihnachtsbaum fest zu Weihnachten dazu. Eine Studie regt aber zum Nachdenken an, ob es nicht auch ökologische Alternativen sein können.

19.12.2023 • 14:12 Uhr

Weihnachtsbaum: Erschreckender Test und ökologische Alternativen

Der Weihnachtsbaum, ein zentrales Symbol der Festtage, ist in vielen Haushalten schon vor Heiligabend präsent. Doch hinter der festlichen Pracht verbirgt sich eine weniger erfreuliche Wahrheit: Eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat enthüllt, dass viele dieser Bäume mit Pestiziden belastet sind.

In einer unabhängigen Laboruntersuchung von 19 Weihnachtsbäumen wurden in 14 Fällen Rückstände von Pestizid-Wirkstoffen gefunden. Insgesamt wurden 15 verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen.

Diese Bäume stammen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, darunter Berlin, Bayern, Bremen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Sachsen.

Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin: „Viele Menschen wollen sich mit einem Baum zu Weihnachten ein Stück unbelastete Natur ins Haus holen. Doch unser Test zeigt: Beim Anbau von Weihnachtsbäumen auf Plantagen werden in großem Umfang Herbizide, Insektizide und Fungizide eingesetzt und ganz offenbar auch Wirkstoffe ohne Zulassung. Drei Jahre nach unserem letzten Test zeigt sich leider keine Veränderung hin zu mehr Biodiversitäts- und Umweltschutz."

Vier Nordmanntannen enthielten Pestizide, die in der EU generell oder für den Weihnachtsbaumanbau gar keine Zulassung haben. Solche Bäume dürften nicht verkauft werden. Dieser illegalen Praxis müssen die Behörden jetzt nachgehen, der BUND wird die zuständigen Pflanzenschutzdienste in Bayern, Berlin, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz informieren und Aufklärung einfordern.

Pestizide auf Plantagen großes Problem für Artenvielfalt

Hölzel: „Weihnachtsbäume landen oftmals nach wenigen Tagen schon wieder vor den Haustüren und im Müll. Die Gifte, die beim Aufwuchs eingesetzt werden, bleiben jedoch viel länger in der Umwelt zurück und sind ein großes Problem für die Artenvielfalt. Sie gelangen in Böden, Luft und Gewässer. Sie töten und schädigen Nützlinge. Sechs der gefundenen Wirkstoffe sind hoch giftig für Bienen, Vögel, Regenwürmer, Fische oder Wasserorganismen. Das gerade wieder in der EU zugelassene Totalherbizid Glyphosat hat weitrechende, negative Auswirkung auf die Ökosysteme, weil es in großem Stil Futterpflanzen für Insekten vernichtet. In fünf Weihnachtsbäumen wurde Glyphosat im BUND-Test nachgewiesen."

Angesichts der besorgniserregenden Pestizidbelastung vieler Weihnachtsbäume lenkt der BUND die Aufmerksamkeit auf eine umweltfreundlichere Option: den Bio-Weihnachtsbaum. Diese Bäume wachsen auf Plantagen, die auf chemisch-synthetische Pestizide verzichten.

Stattdessen setzt man auf organischen Dünger, sorgt für größere Abstände zwischen den Bäumen zur Reduzierung des Fungizideinsatzes und nutzt natürliche Elemente wie Blühstreifen, Hecken oder Steinhaufen, um nützliche Insekten anzuziehen, die Schädlinge natürlich bekämpfen. Das Mähen des Bodens oder die Beweidung durch Schafe bieten umweltfreundliche Alternativen zu gefährlichen Herbiziden wie Glyphosat. Auch Bäume aus ökologischer Waldwirtschaft, erkennbar am FSC-Siegel, sind empfehlenswert.

Weihnachtsbaum: Es gibt ökologischere Alternativen

Für viele stellt sich die Frage, ob es unbedingt ein echter Baum sein muss. Der BUND schlägt ökologischere Alternativen vor, wie Zweige von Nadelbäumen, Holzgestelle oder andere kreative Objekte aus Naturmaterialien. Beim Weihnachtsschmuck empfiehlt der BUND ebenfalls Naturmaterialien wie Holz, Stroh, Papier, bemalten Salzteig, Filz oder Wolle. Der Plastikweihnachtsbaum, oft aus fossilen Rohstoffen hergestellt und beladen mit schädlichen Chemikalien wie Weichmachern, gilt dabei nicht als umweltfreundliche Option, besonders aufgrund seiner langen Transportwege.

Hölzel: „Unser Weihnachtsbaumtest zeigt es erneut. Ohne gesetzliche Vorgaben und Kontrollen ist ein Wandel beim Pestizideinsatz nicht zu erreichen. Der BUND fordert die Bundesregierung auf, zügig ein nationales Reduktionsprogramm für Pestizide vorzulegen. Für das gerade von der EU wiederzugelassene Glyphosat müssen in den nächsten sechs Monaten strenge nationale Anwendungsberschränkungen erlassen werden. Die Landwirte müssen bei der Anwendung von nicht-chemischen Alternativen unterstützt werden."