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Kaufberatung

Umweltfreundliche Lebensmittel

Die Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil im Leben jedes Einzelnen, doch gleichzeitig ist sie für rund ein Drittel der konsumbedingten Umweltbelastungen in Europa verantwortlich. Das heißt, durch einen bewussten, umweltfreundlichen Lebensmitteleinkauf kann jeder seinen ökologischen Fußabdruck klein halten und einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten. Doch worauf kommt es beim umweltfreundlichen Einkaufen eigentlich an und lässt sich ein nachhaltiger Lebensmittelkonsum mit einer gesunden Ernährung in Einklang bringen? Wir gehen auf die wichtigsten Aspekte ein und geben euch eine Orientierungshilfe für eure Einkäufe im Supermarkt.

Überblick: Die wichtigsten Aspekte zum umweltfreundlichen Einkaufen

Der Klimawandel ist in vollem Gange und es ist eigentlich schon fünf nach zwölf. Höchste Zeit, dass jeder von uns sein Möglichstes tut, um gegenzusteuern. Einen wichtigen Beitrag für Klima- und Umweltschutz kannst du durch bewusste Einkaufsentscheidungen im Supermarkt leisten. Lebensmittel und Getränke haben einen großen Einfluss auf den Klimawandel und viele Produkte aus industrieller Massenfertigung sind mitverantwortlich für Umweltverschmutzungen, Tierleid und Artensterben. Darüber hinaus werden bei der Herstellung mancher Produkte Arbeitskräfte ausgebeutet, die nicht selten sogar noch Kinder sind. Indem wir bewusst und umweltfreundlich einkaufen, tun wir etwas für das Klima und wirken Tierleid und unfairen Arbeitsbedingungen entgegen. Doch wie genau gelingt es, durch umweltfreundliches Einkaufen den eigenen ökologischen Fußabdruck klein zu halten?

Es ist kein Geheimnis, dass tierische Lebensmittel die Umwelt mehr belasten als pflanzliche. insbesondere die Massentierhaltung verursacht oftmals unsägliches Tierleid. Sehr gesund kann Fleisch aus Massentierhaltung, bei der die Tiere nicht selten mit Antibiotika behandelt und auf engstem Raum gehalten werden, nicht sein. Wer seinen ökologischen Fußabdruck beim Lebensmittelkonsum klein halten will, bevorzugt also pflanzliche Lebensmittel. Darüber hinaus sind Bio-Produkte solchen aus herkömmlicher Produktion vorzuziehen, denn in der ökologischen Landwirtschaft gelten strengere Umweltstandards. Bei Bio-Produkten sind zum Beispiel Pestizide und andere zweifelhafte Substanzen tabu, die weder für die Umwelt noch für Menschen gut sind. Im Hinblick auf den Umweltschutz sind Bio-Produkte, die sich anhand von Bio-Siegeln erkennen lassen, also immer die bessere Wahl. Des Weiteren solltest du Lebensmittel meiden, die einen langen Flugtransport hinter sich haben oder in beheizten Gewächshäusern gezüchtet wurden. Diese weisen allein durch Herstellung und Transport einen hohen ökologischen Fußabdruck auf. Die umweltfreundliche Alternative sind hier saisonale und regionale Lebensmittel – diese haben keinen langen Transportwege hinter sich und kommen frisch vom Feld. Schließlich solltet ihr Lebensmittelverschwendung vermeiden, nur das einkaufen, was ihr braucht und keine Produkte unnötig wegschmeißen. Wer diese Aspekte beherzigt, hält seinen ökologischen Fußabdruck möglichst gering und leistet einen wichtigen Beitrag für die Umwelt.

Lebensmittel, die dem Klima schaden und klimafreundliche Lebensmittel

Die Supermärkte gleichen heutzutage einem Schlaraffenland und man kann dort das ganze Jahr über kaufen, was das Herz begehrt. Erdbeeren im Winter, Spargel zu Weihnachten oder exotische Früchte aus aller Welt? Gar kein Problem. Für unser Klima ist dieses Angebot aber durchaus ein Problem, denn durch Anbau und Transport belasten viele der Lebensmittel die Umwelt enorm. Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg hat im Jahr 2020 rund 200 Lebensmittel hinsichtlich ihrer Klimafreundlichkeit untersucht und kam zu dem klaren Ergebnis, dass saisonale Produkte aus der Region deutlich umweltverträglicher sind. Erdbeeren zum Beispiel, die im Winter nach Deutschland importiert werden, hinterlassen einen CO2-Fußabdruck von 3,4 kg CO2-Äquivalent (CO2eq), während saisonale Erdbeeren lediglich einen Wert von 0,3 kg CO2eq erreichen. Mit anderen Worten: Importierte Erdbeeren belasten das Klima zehnmal mehr als frische deutsche Erdbeeren. Bei anderen Obst- und Gemüsesorten verhält es sich ähnlich. Interessant ist, dass zum Beispiel auch deutsche Tomaten das Klima im Winter (2,9 kg CO2eq) wesentlich mehr belasten als im Sommer (0,3 kg CO2eq). Der Grund ist, dass sie außerhalb der Saison in Treibhäusern gezüchtet werden, die viel Energie verbrauchen. Die Studie bestätigt auch, dass tierische Produkte wahre Klimakiller sind. Rindfleisch hinterlässt zum Beispiel einen durchschnittlichen CO2-Fußabdruck von 13,6 kg CO2eq. Gründe dafür sind u.a., dass bei der Erzeugung Unmengen an Wasser und Dünger benötigt werden. Auch Butter, Käse und tiefgefrorene Garnelen sind neben anderen Fleischsorten schädlich für das Klima.

Gesund und nachhaltig einkaufen

Ein umweltfreundlicher, nachhaltiger Konsum und gesunde Ernährung ergänzen sich wunderbar, sodass man nicht nur dem Klima, sondern auch sich selbst etwas Gutes tut. Vor allem saisonale und regionale Obst- und Gemüsesorten sind voller wichtiger Vitamine und Nährstoffe, schließlich kommen sie frisch vom Feld. Lade dir einen Saisonkalender für heimisches Obst und Gemüse herunter, um immer Bescheid zu wissen, welche Lebensmittel du gerade unbedenklich kaufen kannst. Wer dann noch auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung achtet, für die die Ernährungspyramide eine gute Orientierungshilfe darstellt, versorgt sich und seinen Körper auf vorbildliche Weise. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit ist es gut, tierische Produkte nur in Maßen zu konsumieren. Für Vollmilch gibt es zum Beispiel eine ganze Reihe guter Alternativen, wie etwa Hafermilch, Mandelmilch oder Sojamilch, die alle eine bessere Umweltbilanz aufweisen können. Auch für diverse Milchprodukte wie Joghurts und Käse sind pflanzliche Alternativen erhältlich, die lecker schmecken und umweltfreundlicher sind.

Fleisch sollte, wenn überhaupt, nur selten auf dem Teller landen. Vegetarische Fleischersatzprodukte belasten die Umwelt weniger und schmecken mittlerweile keinesfalls schlechter. Eine gute Fleischalternative ist auch Fisch, wenngleich dieser auch nur gelegentlich als Delikatesse konsumiert werden sollte. Mit einem hohen Gehalt an wertvollen Omega-3-Fettsäuren sind viele Fischarten sehr gesund, doch die weltweite Überfischung der Meere ist ein großes Umweltproblem. Außerdem können einige Fischarten mit Schadstoffen belastet sein. Das Bundeszentrum für Ernährung erklärt jedoch, dass Schadstoffe bei Fischen kaum ein Gesundheitsrisiko darstellen. In Deutschland gibt es strenge Grenzwerte was die Schadstoffbelastung angeht. Wer auf Nummer sicher gehen will, verzehrt keine Raubfische wie Thunfisch und weißer Heilbutt, weil diese mit zunehmendem Alter höhere Quecksilberwerte aufweisen können. Fische aus europäischen Bio-Anlagen und magere Hochseefische wie Seelachs weisen dagegen die niedrigsten Schadstoffwerte auf. Für einen nachhaltigen Fischkonsum solltet ihr unbedingt auf entsprechende Siegel achten: Das MSC-Siegel für Wildfisch und das ASC-Siegel für Zuchtfisch sind die bekanntesten. Beide Siegel stehen in der Kritik von Umwelt- und Verbraucherschützern, weil ihre Vergabekriterien nicht streng genug seien, doch als Orientierungshilfe beim Einkaufen reicht laut WWF zumindest das MSC-Siegel aus. Bei Fisch aus Aquakultur empfiehlt die Organisation Produkte mit Bio-Siegel.

Bio und Nachhaltigkeit

Beim Einkaufen auf Bio-Produkte zu setzen ist prinzipiell eine gute Sache, denn diese Produkte erfüllen strenge Umweltstandards und sind für das Klima meist besser als Produkte industrieller Großkonzerne. Allerdings sind Bio-Produkte nicht automatisch nachhaltig. Die Produkte oder einzelne Zutaten können nämlich einen langen Transportweg hinter sich haben und somit einen beachtlichen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Auch über die Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern sagt ein Bio-Label überhaupt nichts aus. Wenn du also umweltbewusst und nachhaltig einkaufen willst, musst du bei jedem Bio-Produkt schauen, woher es stammt und unter welchen Bedingungen es angebaut wurde. Faire Arbeitsbedingungen werden durch das Fair-Trade-Siegel ausgewiesen, das u.a. häufig auf Kaffee- und Teepackungen abgedruckt ist. Bio-Waren aus der Region sind überwiegend auch nachhaltig, denn um als Bio-Produkt zu gelten und das europäische Bio-Siegel zu erhalten, müssen bei Anbau, Lagerung, Transport und Verpackung strenge Regeln eingehalten werden. Stammen die Produkte dann noch aus der näheren Umgebung, kommt es auch nicht zu einem hohen CO2-Fußabdruck durch lange Lieferwege. Kaufe also ruhig Bio-Produkte, aber überprüfe die Waren hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit.

Nachhaltiger Konsum im Alltag

Viel saisonales und regionales Obst und Gemüse und wenig tierische Produkte, außerdem vorzugsweise Bio-Produkte: Das sind Eckpfeiler eines nachhaltigen Lebensmittelkonsums. Achte beim Einkaufen im Supermarkt auf das EU-Bio-Siegel und das Fair-Trade-Siegel oder gehe in einen Biomarkt. Die dort angebotenen Produkte stammen häufig von ökologischen Anbauverbänden wie Demeter oder Naturland, die nach noch strengeren Kriterien anbauen als die Hersteller, deren Produkte das EU-Bio-Siegel tragen. Im Bioladen stammen außerdem meist so viele Produkte wie möglich aus der Region, weil hier besonders auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Regelmäßig frische Ware auf Wochenmärkten oder direkt beim Bauern im Hofladen einzukaufen, entspricht natürlich auch einem nachhaltigen Lebensmittelkonsum. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Onlineshops, die nachhaltige Bio-Ware anbieten, die du dir bequem nach Hause liefern kannst.

Zum umweltfreundlichen Einkaufen zählt vor allem auch die Vermeidung unnötiger Verpackungen. Laut der o.g. Studie trägt die Verpackung häufig sogar mehr zu einer schlechten Ökobilanz bei als das Lebensmittel selbst. Idealerweise kaufst du in Unverpackt-Läden ein, die sich der Zero-Waste-Bewegung zuordnen lassen, und meist auch nur biologische, saisonale und regionale Produkte anbieten. Mehr Nachhaltigkeit beim Einkaufen geht nicht! Meide beim Einkaufen im Supermarkt auf jeden Fall unnötigen Plastikmüll, indem du deine eigenen Einkaufstaschen mitbringst und umweltfreundliche Mehrwegnetze statt kleiner Plastikbeutel für Obst und Gemüse verwendest. Denke in dem Zusammenhang auch an Produkte, die du zwischendurch, etwa auf dem Weg zur Arbeit, konsumierst, zum Beispiel den berühmten Coffee-to-go. Hierfür kannst du deinen eigenen Mehrwegbecher mitnehmen. Schließlich solltest du Lebensmittelverschwendung vermeiden, indem du nur das kaufst, was du tatsächlich brauchst und Lebensmittel korrekt lagerst, damit sie nicht so schnell verderben. Beachte auch, dass Lebensmittel oft auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch gut sind. Hier kannst du dich bei der Beurteilung, ob ein Produkt noch genießbar ist, in der Regel auf deine Sinne verlassen. Sieht es unbedenklich aus und riecht es nicht verdorben, ist es in den meisten Fällen auch noch genießbar. Rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll, mehr als die Hälfe der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten. Das ist eine enorme Verschwendung und Gift für die Umwelt.

Wer alle oder die meisten der genannten Aspekte beherzigt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und tut der Umwelt und sich selbst etwas Gutes. Eine bewusste, nachhaltige Ernährung ist also etwas, von dem jeder profitiert.

Quellen

https://utopia.de/ratgeber/nachhaltige-ernaehrung-das-kannst-du-tun/

https://utopia.de/klimabilanz-lebensmittel-vergleich-188338/

https://www.wwf.ch/de/nachhaltig-leben/mein-fussabdruck-ernaehrung

https://www.ndr.de/ratgeber/kochen/warenkunde/Nachhaltig-essen-Welcher-Fisch-darf-noch-auf-Tisch,fisch104.html

https://www.bzfe.de/lebensmittel/vom-acker-bis-zum-teller/fisch/fisch-verbraucherschutz/

https://www.oekomedia-institut.de/sind-bio-produkte-immer-nachhaltig/

https://de.wikipedia.org/wiki/Unverpacktladen

https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/studie-lebensmittelabfaelle-deutschland.html

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