Klimawandel: Neun globale Kippelemente für das Funktionieren des Erdsystems

Kipppunkte sind Bestandteile des globalen Klimasystems, die essenziell für das Funktionieren des Systems sind. 16 gibt es laut aktuellem Forschungsstand, neun haben globale Auswirkungen. Wir stellen die neun globalen vor.

Klimawandel: Neun globale Kippelemente für das Funktionieren des Erdsystems

Anschauliche Beispiele gibt es einige, um die Kippelemente des Klimasystems zu erklären. Oft wird in dem Zusammenhang die Kaffeetasse genommen, die über einen Tisch geschoben wird. Nähert man sich mit der Tasse dem Rand des Tisches, passiert die ganze Zeit nichts, doch wenn sie kippt, erreicht sie einen Punkt, an dem es zu spät ist und sie herunterfällt.

Hier sind wir bei den Kipppunkten des Klimasystems: Das Klima verläuft nicht linear. Das heißt: Kontinuierliche Veränderungen führen nicht zu kontinuierlichen Reaktionen, sondern an einem bestimmten Punkt zu einem irreversiblen Ergebnis. Selbst dann, wenn die auslösenden Entwicklungen zurückgenommen würden.

Neun Kern-Kippelemente haben internationale Forscher festgelegt, darunter die Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Diese Elemente sind relevant für das Funktionieren des Erdsystems. In diesem Artikel stellen wir dir die neun Kern-Kippelemente vor.

  • Grönlands Eisschild: Der Eisverlust in Grönland hat durch die Erderwärmung stark zugenommen. Der stellenweise bis zu drei Kilometer starke Eisschild verliert durch das Abschmelzen an Höhe. Die Oberfläche sinkt und gerät dabei in wärmere Bereiche, die das Abschmelzen weiter verstärken. Die Folgen: „Ein vollständiger Verlust des Eisschilds würde zu einem weltweiten Meeresspiegelanstieg von bis zu sieben Metern führen, und andere Kippelemente beeinflussen“, so die Warnung der Forscher auf der Webseite des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.kipppunkte.jpg

  • Arktisches Winter-Meereis: Die Meereisbedeckung im Winter überschreitet niemals eine Dicke von wenigen Metern. „Verschiebungen im Zusammenspiel der Jahreszeiten, in denen sich Meereis bildet und in denen es wieder schmilzt, führt in einigen Computersimulationen zu einem Schwellenverhalten. Das Meereis im Winter beeinflusst auch das Meereis im Sommer – und eine offene Meeresfläche trägt auf verschiedenen Wegen dazu bei, dass die Erderwärmung in den hohen nördlichen Breiten etwa doppelt so schnell von statten geht wie im globalen Durchschnitt.“

Klimawandel: Mehrere hundert Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Permafrostböden

  • Boreale Permafrostböden (Kollaps): Sie befinden sich in Sibirien und Nordamerika, in sogenannten Yedoma-Böden sind in Tiefen von mehr als 3 Metern vermutlich mehrere hundert Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Tauen sie auf, werden riesige CO₂- und Methan-Mengen freigesetzt. Und damit ein Teufelskreis in Gang gesetzt, denn je mehr CO₂ sie freisetzen, desto schneller taut der restliche gefrorene Boden auf, denn durch die freigesetzten Treibhausgase wird die globale Erwärmung nur weiter verstärkt.

  • Westantarktischer Eisschild: Aufgrund bestimmter Fließprozesse kann es instabil werden. Das ist der Fall, sobald das sich das Eis – zum Beispiel als Folge wärmeren Ozeanwassers – einmal weit genug zurückgezogen hat. Danach beschleunigt sich der Eisverlust. „Sollte der Westantarktische Eisschild durch diesen Prozess zerfallen, würde der Meeresspiegel weltweit um über drei Meter ansteigen“, so die Forscher.

  • Ostantarktis: Wie die Forscher erklären, liegen einige Einzugsgebiete der großen Gletscher, mit denen Eis vom Ostantarktischen Eispanzer ins Meer fließt, auf Boden unterhalb des Meeresspiegels auf. Auch hier könne ein selbstverstärkender Fließprozess auftreten, heißt es, ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels wäre die Folge.

  • Ostantarktischer Eisschild: „Auch wenn der Ostantarktische Eisschild sehr viel stabiler scheint als die anderen Eismassen auf der Erde, so könnten bei sehr hohen Temperaturen auch hier selbstverstärkende Effekte einsetzen“, warnen die Forscher. Auch hier droht ein Anstieg des Meeresspiegels.

  • Atlantische Umwälzzirkulation: Das kalte, dichte Salzwasser, das vor Grönland und Labrador in die Tiefe sinkt, ist einer der wesentlichen Motoren für die Zirkulation. Sollte durch schmelzendes Eis im Norden mehr Süßwasser hinzukommen, könnte dieser Antrieb erlahmen.amazonas.jpg

Klimawandel: Amazonas Regenwald an kritischer Grenze

  • Zirkulation im Labrador- und Irminger-Meer: Dort gibt es als Teil des sogenannten subploaren Wirbels eine Umwälzströmung. „Etliche Modelle zeigen einen Zusammenbruch dieser Umwälzzirkulation als Folge globaler Erwärmung“, erklären die Forscher.

  • Amazonas Regenwald: Der Amazonas Regenwald spielt eine wichtige Rolle im gesamten Erdsystem. Die Forscher warnen: „Ein Rückgang der Niederschläge in einem wärmeren Erdklima und die Abholzung des Regenwaldes sowie Brände könnten den Wald an eine kritische Grenze bringen.“

Quelle: https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente/kippelemente

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Prof. Dr. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung kam im Rahmen der "Green Seven Week - Wie können wir unser Klima retten?" in der Sendung "JENKE. Das Klima-Experiment: Sind wir noch zu retten?" zu Wort. Hier kommt Ihr zu der Sendung.

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