Umweltschutz

Ernüchternde Bilanz: 2023 eine Milliarde mehr Einwegbehälter weggeworfen

Ein Jahr nach der Einführung der gesetzlichen Mehrwegangebotspflicht in der Gastronomie zieht der WWF Deutschland eine ernüchternde Bilanz: Die erhoffte Trendwende hin zu weniger Einwegverpackungen ist ausgeblieben

14.01.2024 • 13:04 Uhr

Ernüchternde Bilanz: 2023 eine Milliarde mehr Einwegbehälter weggeworfen

Stattdessen ist die Menge des Verpackungsmülls sogar angestiegen. Erste Ergebnisse einer aktuellen Marktanalyse von WWF zeichenn ein klares Bild.

Im Jahr 2023 hat die deutsche Gastronomie, laut dieser Analyse, eine Milliarde mehr Einwegverpackungen ausgegeben als im Vorjahr. Insgesamt landeten 14,6 Milliarden Einwegbecher, Pommes-Schalen, To-Go-Boxen, Pizzakartons und ähnliche Verpackungen im Abfall. Im Gegensatz dazu stehen 232 Millionen Mehrweggefäße, die von der Gastronomie ausgegeben wurden.

Zwar ist auch hier ein Anstieg zu verzeichnen – der Anteil der Mehrwegverpackungen hat sich innerhalb eines Jahres sogar verdoppelt – aber mit einem Marktanteil von nur 1,6 Prozent bleiben sie klar in der Nische.

Diese Entwicklung zeigt, dass trotz der gesetzlichen Verpflichtung und eines leichten Anstiegs im Bereich der Mehrweglösungen, der Großteil der Cafés, Restaurants, Lieferdienste und Cateringbetriebe in Deutschland weiterhin auf Einwegverpackungen setzt.

Der gestiegene Verbrauch an Einwegmaterialien deutet darauf hin, dass die Bemühungen, die Müllflut einzudämmen, bisher nicht den gewünschten Effekt erzielt haben. Der WWF Deutschland macht damit deutlich, dass trotz gesetzlicher Maßnahmen und eines Anstiegs bei Mehrwegoptionen, der Kampf gegen den Verpackungsmüll in der Gastronomie eine weiterhin große Herausforderung bleibt.

„Mehrweg ist eine Randerscheinung im gastronomischen Angebot geblieben"

„Mehrweg ist eine Randerscheinung im gastronomischen Angebot geblieben. Das erklärte Ziel, die Müllflut aus Einwegbechern und Essensverpackungen zu reduzieren, hat die Mehrwegangebotspflicht im ersten Jahr klar verfehlt. Der Konstruktionsfehler, dass die Einhaltung des Gesetzes in den allermeisten Fällen nicht überprüft wird, muss politisch dringend behoben werden. Ohne Kontrolle drohen selbst die positiven Anfangseffekte der Mehrwegangebotspflicht zu verpuffen“, sagt Laura Griestop, Expertin für Verpackungen beim WWF Deutschland. „Nur wenige Betriebe weisen überhaupt aktiv auf Mehrweg hin. Würde man dagegen den Spieß umdrehen, also Mehrwegverpackungen als Standard ausgeben und die Einwegvariante erst auf Nachfrage, ließe sich viel mehr bewegen“.

Mehrweg: Große Einsparungen möglich

Effektive Mehrwegsysteme könnten laut einer früheren Studie des WWF erhebliche Einsparungen bringen und wertvolle Ressourcen schonen. Würden solche Systeme, die auf den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft basieren, flächendeckend eingesetzt, könnte das Verpackungsaufkommen um 14 Prozent reduziert werden. Das entspricht einer Materialeinsparung von etwa 2,5 Millionen Tonnen.

Der WWF Deutschland engagiert sich mit der Initiative mehrweg.einfach.machen dafür, dass Mehrweglösungen nicht nur Theorie bleiben, sondern praktisch umgesetzt und im Alltag integriert werden. Seit dem 1. Januar 2023 gibt es eine gesetzliche Regelung, die Restaurants, Bistros, Cafés sowie Hotels und Cateringservices, die Essen zum Mitnehmen anbieten und bestimmte Mindestkriterien erfüllen, dazu verpflichtet, neben Einweg- auch Mehrwegverpackungen anzubieten.

Dieser Schritt ist ein wichtiger Bestandteil, um Mehrwegsysteme im Gastgewerbe zu etablieren und so langfristig Verpackungsmüll zu reduzieren und die Umwelt zu schützen.