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Fahrradstädte: Wie gesund und lebenswert sind autofreie Städte?

Mit Lärm und Luftverschmutzung steigt das Risiko für Umwelt und Mensch. Ein Grund mehr, Initiativen zu folgen, die den Radverkehr stärken. Hier lernst Du drei Städte kennen, die sich zur Aufgabe gemacht haben: Weniger Autos, mehr Fahrräder.

16.10.2023 • 15:37 Uhr

Fahrradstädte: Wie gesund und lebenswert sind autofreie Städte?

Laut der WHO (World Health Organization) werden bis 2050 voraussichtlich 80 Prozent der Weltbevölkerung im städtischen Umfeld leben. Wir zeigen euch drei Städte, die sich zur Aufgabe gemacht haben, den Auto- und LKW-Verkehr einzudämmen zugunsten von mehr Fahrrädern.

Fahrradfreundliche Städte: Kopenhagen, Vorreiter im Radverkehr

Schon seit langem gehört die dänische Hauptstadt zu einer der fahrradfreundlichsten Städte der Welt. Bereits vor über 20 Jahren hat die Stadt eine verkehrspolitische Wende zugunsten des Fahrrads begonnen und wurde seither drei Mal zur fahrradfreundlichsten Stadt der Welt ausgezeichnet. Die Erhebung findet alle zwei Jahre anhand eines Leistungskatalogs der Copenhagenize Design Company statt, die mit einer Kennzahl, dem Copenhagenize-Index, die Radverkehr-Initiative von Städten misst.

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Kopenhagen steht mit einem Radwegnetz von rund 400 km und Fahrradparkhäusern sowie Pumpstationen an fast jeder Ecke, seit 2015 an der Spitze dieses Rankings. Schon jetzt gibt es in der dänischen Metropole mehr Räder als Einwohner und fast die Hälfte nutzen das Fahrrad täglich. Grund dafür ist nicht etwa das Umweltbewusstsein oder die Kosteneinsparung, sondern weil sie auf zwei Rädern am schnellsten sind. Denn neben Fahrradbrücken und Rad-Highways, die wie Autobahnen die Außenbezirke mit der Innenstadt verbinden, werden die Ampeln auf zentralen Strecken für Radfahrer grün geschaltet. Auf diese Weise versucht die Stadt ihren Einwohnern den Umstieg aufs Fahrrad als Hauptverkehrsmittel zu erleichtern und in jedem Fall attraktiv zu machen.

Neue Verkehrspläne: Gent, Zirkulationsplan als Vorbild für andere

In der belgischen Hafenstadt Gent hat die Einführung eines Zirkulationsplans den gesamten Transport reformiert. Im April 2017 beschloss der Stadtrat einen neuen Verkehrsplan zu realisieren, um den Durchgangsverkehr aus dem Stadtzentrum zu verlagern. Es sollte verhindert werden, dass Autos unnötig die Innenstadt durchqueren, weshalb der Verkehrsplan die Stadt in sechs separate Bezirke und eine große autofreie Zone unterteilt. Wer mit dem Auto von einem Sektor in einen anderen fahren möchte, muss den Innenstadtring nutzen. Direktfahrten zwischen den Bezirken sind nicht erlaubt und werden durch gesperrte Straßen, veränderte Verkehrsströme und Kameras blockiert.

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Auf diese Weise steht den Fußgängern, Radfahrern, Bussen und Straßenbahnen mehr Platz zur Verfügung und auch Lieferwagen und Blaulichtfahrzeuge kommen schneller an ihr Ziel. Zweck des Plans ist es, nicht nur die Lebensqualität der Bewohner und Besucher der Stadt zu verbessern, sondern auch eine Fahrradkultur zu etablieren. So sank der PKW-Anteil um 20 Prozent, während die Zahl an Radfahrern zwischen 2012 und 2020 von 22 Prozent auf 38 Prozent stieg. Auch die Befürchtung, dass der Einzelhandel unter dem Projekt leiden könnte, hat sich nicht bewahrheitet, sondern im Gegenteil die Attraktivität gestärkt.

Bremen: Der deutsche Spitzenreiter unter den Großstädten

Während Hamburg und Berlin in dem Ranking des Copenhagenize-Index über die Jahre deutlich abgerutscht sind, hat sich Bremen 2019 zum ersten Mal einen Platz in der Top 20 gesichert. Mit einem Radverkehrsanteil von rund 25 Prozent und doppelt so vielen Fahrrädern wie Autos, hat sich die Hansestadt auf den elften Platz der Rangliste befördert. Berlin und Hamburg nahmen im Vergleich die Ränge 15 und 20 ein. Grund für Bremens hohe Radfahrbereitschaft ist ein 500 km langes Radverkehrsnetz, sowie ihr ambitioniertes Ziel die Alte Neustadt bis 2025 in eine Fahrradzone auszubauen.

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Schon jetzt nutzt jede und jeder Dritte das Rad täglich und dank Initiativen lieben auch Besuchende das Radfahren in Bremen. Die Kampagne Bike IT! zum Beispiel bietet Fahrradtouren mit Hilfe einer App namens BikeCityGuide an, die neben Fahrradrouten auch auf Sehenswürdigkeiten entlang der Strecken hinweist. Zudem werden Veranstaltungen rund um das Fahrrad organisiert, wie das Kino auf dem Fahrrad (Film Night Rides) und Konzerte auf einer Lastenradbühne (Stage Bike). Eine kleine Bühne, die sich vorne am Lastenrad ausklappen und von Kulturschaffenden bespielen lässt.

Wer jetzt wissen möchte, wie es um seine Heimatstadt steht: Die fahrradfreundlichsten Städte Europas findet Ihr hier.

Das könnte euch noch interessieren: Das Zeitalter der Städte, Informationen des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ)