Zur Übersicht

E-Fuels und Bio-Sprit: Japanische Allianz testet CO2-neutrale Kraftstoffe im Motorsport

Der Elektromotor scheint den Kampf um den Antrieb der Zukunft gewonnen zu haben: Immer mehr Automobilhersteller haben sich gedanklich bereits vom Verbrennungsmotor verabschiedet und forcieren die Entwicklung von E-Antrieben. Audi etwa will ab 2026 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr entwickeln, VW Anfang der 2030er-Jahre die letzten Verbrenner-Autos verkaufen. In Japan hat sich nun eine mächtige Allianz gebildet, die CO2-neutrale Kraftstoffe im Motorsport testen will.

Autor: Moritz Nolte

Die Entwicklung pro E-Motor überrascht nicht. Weltweit planen zahlreiche Staaten mit Verbrenner-Verboten. Allen voran die EU: Ab 2035 soll Schluss sein mit CO2 ausstoßenden Pkw. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Der E-Motor muss nicht zwingend das Mittel der Wahl sein. Nicht wenige Experten halten es für nicht ausgeschlossen, dass der Verbrennungsmotor mit CO2-neutralen Kraftstoffen in die klimaneutrale Zukunft fahren könnte. Die deutschen Dickschiffe Porsche und Bosch etwa arbeiten intensiv an der Entwicklung von E-Fuels mit dem Ziel, diese irgendwann wirklich CO2-neutral und industriell produzieren zu können. In Japan hat sich nun eine mächtige Allianz gebildet, die ein ähnliches Ziel verfolgt.

Einsatz im Motorsport

Toyota, Mazda, Subaru sowie die Motorrad-Hersteller Yamaha und Kawasaki haben sich zusammengetan, um an klimaneutralen Kraftstoffen zu forschen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Produktion von Sprit aus Biomasse sowie Wasserstoff für den Betrieb von Verbrennungsmotoren. Getestet werden die Kraftstoffe insbesondere im Motorsport. Der gemeinsame Wettbewerb im Rennsport soll die technologische Entwicklung beschleunigen.

Mazda setzte bereits im November 2021 einen umweltfreundlichen Mazda Demio – bei uns als Mazda2 bekannt – bei einem Rennen der japanischen Super Taikyu Series ein. Betrieben wurde dessen Verbrennungsmotor mit einem Diesel-Kraftstoff, der zu 100 Prozent aus Biomasse besteht. 2022 wollen auch Toyota und Subaru mit Fahrzeugen in der Super Taikyu Series starten und ebenfalls CO2-neutralen, aus Biomasse gewonnenen Kraftstoff nutzen.

Neben Bio-Fuel spielt auch Wasserstoff eine Rolle. Toyota hat im Rahmen des 24-Stunden-Rennens von Fuji einen Verbrenner erfolgreich getestet, der von Wasserstoff befeuert wird. Da im Motorsport zudem eine schnelle Betankung entscheidend ist, hat Toyota den Pumpendruck erhöht, berichten Medien. „Dadurch lassen sich Rennwagen in weniger als zwei Minuten mit Wasserstoff befüllen – ein Beispiel dafür, wie der Motorsport Synergieeffekte für den normalen Straßenverkehr freisetzen kann.“

Kraftstoffe müssen „grün“ produziert werden

Die Allianz betont dabei, dass Produktion und auch der Transport des Wasserstoffs wirklich grün erfolgen müssten, also ohne den Verbrauch fossiler Energien. Toyota arbeitet hier mit Partnern und lokalen Gemeinden wie etwa Fukuoka City zusammen. Die Stadt produziert Wasserstoff mit Hilfe des bei der Abwasseraufbereitung entstehenden Biogases, was keine zusätzlichen Emissionen verursacht.

Motorsport-Total.com bringt einen Einsatz der Motorsport-Fahrzeuge von Toyota, Mazda und Subaru auch in Europa ins Gespräch. Am ehesten würde sich demnach die Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) anbieten. „Doch die Situation ist alles andere als einfach, denn es besteht keine Wasserstoffinfrastruktur am Nürburgring. Man ist gerade erst dabei, eine Elektroinfrastruktur für die neue Hybrid- und Elektroklasse aufzubauen.“ Immerhin: Die Serie kann sich Gespräche vorstellen. Christian Stephani, Chef der NLS: "Wenn Toyota auf uns zukommt und ein Projekt mit uns starten möchte, sind wir für alles offen.“

Bilder: Toyota