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Überblick

Bessere Luftqualität: weniger Feinstaub nach Feuerwerksverkaufsverbot

Dass Feuerwerksraketen und Böller an Silvester jedes Jahr wieder zu Spitzenwerten in Sachen Luftverschmutzung führen, ist kein Geheimnis. Der Effekt des Verkaufsverbots, das im Rahmen der Corona-Pandemie erlassen wurde, kommt dennoch überraschend: Ganze 90 Prozent weniger Feinstaub wurden laut einer Auswertung offizieller Daten durch die „Deutsche Umwelthilfe“ in der Luft gemessen.

Um die durch Covid-19 stark belasteten Notaufnahmen in Deutschland nicht noch weiter an ihre Grenzen zu bringen, entschieden sich Bund und Länder in der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK), zum zweiten Jahr in Folge, den Verkauf von Feuerwerkskörpern und Böllern zu verbieten. Ihre Entscheidung begründete die Bundesregierung mit der hohen Verletzungsgefahr, die mit dem Feuerwerk einhergeht – gerade im Hinblick auf die stark belasteten Kliniken sei diese in Corona-Zeiten nicht mehr zu rechtfertigen.

Doch neben einer reduzierten Zahl an Patienten mit Böller-Verletzungen hatte das Verkaufsverbot für Feuerwerk noch einen weiteren erfreulichen Nebeneffekt: Wie das Umweltministerium mitteilte, konnten die Messstationen zum 1. Januar eine historisch niedrige Feinstaubbelastung in der Luft verzeichnen.

Historisch niedrige Feinstaub-Belastung

So wurde beispielsweise in Sachsen-Anhalt nicht eine einzige Überschreitung des Tagesmittelwertes von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft registriert; Silvester 2019/2020 (also vor der Pandemie) war dies noch an 12 Stationen der Fall. Die höchsten Werte wurden mit 19 Mikrogramm in Magdeburg gemessen. 2019/20 lag die Feinstaubkonzentration bei 111 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

Auch in Nordrhein-Westfalen sorgte das Verkaufsverbot für Böller nach Einschätzung des Landesumweltamtes für deutlich bessere Luft. Schon im letzten Jahr waren die Messungen infolge des ersten Verbots deutlich niedriger ausgefallen als in den vorherigen Jahren. Bis auf wenige Ausnahmen gingen die Messwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub nach Messungen der Behörde im Vergleich zum Vorjahr nochmals zurück.

Eigenen Angaben zufolge wertete das Landesumweltamt die Daten von mehr als 62 Messstellen aus, welche die Feinstaubbelastung in der Neujahrsnacht von 0.00 bis 1.00 Uhr erfassten.

Deutliche Verbesserung in Bremen und München

Eine besonders deutliche Verbesserung zeigte sich in Bremen: Hier war neben dem Verkauf auch der Gebrauch von Raketen und Böllern stadtweit verboten worden. Infolgedessen sank die stündliche Spitzenbelastung für Feinstaub an der Messstation Bremen Dobben um ganze 96 Prozent (von 1188 Mikrogramm pro Kubikmeter am 1.1.2020 auf 46 Mikrogramm am 01.01.2022). Ähnlich verhielt es sich in München, wo das Böllern immerhin im inneren Ring verboten wurde. Hier lag der Rückgang beispielsweise an der Landshuter Allee bei 94 Prozent (2020: 986 µg/m³; 2022: 62 µg/m³). In Berlin fiel der Rückgang etwas niedriger aus; 87 Prozent weniger Feinstaub als 2020 wurden in Frankfurter Allee gemessen (2020: 757 µg/m³; 2022: 99 µg/m³).

Umwelthilfe fordert generelles Feuerwerks-Verbot

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) setzt sich bereits seit Jahren für ein bundesweites, dauerhaftes Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk ein. Dabei wird sich sowohl von Ärztevertretern als auch von Tierschutzorganisationen in ganz Deutschland unterstützt. „Feuerwerk führt jedes Jahr zu hoher Luftbelastung, schädigt Millionen schutzlos ausgelieferte Haustiere sowie Nutz- und Wildtiere und verschmutzt die Umwelt“, lautet die Stellungnahme der DUH. „Dazu sorgt es durch tausende teils schwere Verletzungen für die Überlastung von Einsatzkräften und Krankenhäusern, die durch die Pandemie sowieso schon an der Belastungsgrenze arbeiten.“

Quellen

https://www.zeit.de/news/2022-01/03/wegen-boellerverkaufsverbot-weniger-feinstaub-in-nrw#:~:text=Umwelt%20Amt:%20Wegen%20B%C3%B6llerverkaufsverbot%20weniger%20Feinstaub%20in%20NRW&text=Nach%20Messungen%20der%20Beh%C3%B6rde%20gingen,der%20Corona-Pandemie%20ein%20Verkaufsverbot

https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/kein-boellerverkauf-an-silvester-90-prozent-weniger-feinstaub-15755/

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