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Stromausfall: Wie realistisch ist ein Blackout durch zu viele Heizlüfter?

Netzbetreiber warnen vor möglichen Blackouts. Der Grund: Viele Haushalte setzen auf Heizlüfter, um einer kalten Heizung oder hohen Gaspreisen entgegenzuwirken. Stecker rein, fertig! Laut Experten könnten nun lange und flächendeckende Stromausfälle im Winter drohen, weil unser Stromnetz bei so vielen Heizlüftern überlastet wäre. Ist unser Netz wirklich so fragil?

Die Zahl verkaufter Heizlüfter explodiert

Juli 2022: Für großes Aufsehen sorgte eine Meldung des größten deutschen Marktforschungsinstituts (Gfk), die im Tagesspiegel erschienen ist. Im ersten Halbjahr 2022 wurden rund 600.000 Heizgeräte für die Steckdose verkauft: Heizlüfter, -strahler und -radiatoren. Das entspricht einem Verkaufsplus von 35 Prozent.

Ein Heizlüfter hat eine Leistung von rund 1.000 bis 3.000 Watt. Etwa 20 Millionen Haushalte in Deutschland (also die Hälfte) heizen mit Gas. Sollte davon angesichts der Energiekrise nur jeder zweite als Alternative einen Heizlüfter einschalten, würde der Stromverbrauch deutschlandweit um 20 Gigawatt steigen. Das entspräche einem Viertel der Jahreshöchstlast, „was weder die Stromnetze noch die vorhandenen Kraftwerke leisten könnten“, erklären der VDE (Verband der Elektrotechnik) und DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) in einer gemeinsamen Pressemitteilung am 27. Juli.

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Wie können Heizlüfter zu einem Stromausfall führen?

Dieser enorme zusätzliche Stromverbrauch würde zu einer Überlastung des Stromnetzes führen. „Dann greifen die Schutzeinrichtungen und die Leitungen werden einfach abgeschaltet", prognostiziert der technische Geschäftsführer der Stadtwerke Wiesbaden Peter Lautz im August in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ein weiteres Problem wird beim erneuten Hochfahren des Systems deutlich. Denn das würde wahrscheinlich gar nicht funktionieren. Viele Verbraucher lassen ihre elektrischen Geräte während eines Stromausfalls eingeschaltet in der Steckdose. Sobald das Stromnetz eingeschaltet wird, springen auch die Heizlüfter an, was sofort wieder zu einer Überlastung führt. Das System fährt erneut runter. Im Gegensatz zu elektrischen Wärmepumpen oder Nachtspeicherheizungen können Heizlüfter nicht vom Betreiber aus der Ferne abgeschaltet werden.

Es wird bereits darüber diskutiert, die Verbraucher per App oder sogar per Lautsprecherwagen im Falle eines solchen Stromausfalls daran zu erinnern, ihre Elektrogeräte aus den Steckdosen zu ziehen bzw. auszuschalten. Ansonsten könnte es zu einem sehr langen Stromausfall kommen. Betroffen wären natürlich nicht nur Privathaushalte, sondern auch Kassensysteme, Mobilfunknetze und Straßenbeleuchtung, warnt Martin Kleimaier von der VDE.

Energiekrise: Was kann ich tun?

VDE und DVGW empfehlen, Gasheizungen „in jedem Fall“ maßvoll weiterzubetreiben und stattdessen ihre Effizienz zu steigern. Dazu heißt es in der Pressemitteilung:

  • Raumtemperatur absenken (ein Grad weniger spart bereits sechs Prozent Energie)
  • Anpassung an das tatsächliche Nutzerverhalten (z. B. Räume nur nach Bedarf heizen)
  • Heizkörperthermostate per App steuern (einfache Bedienung, besserer Überblick)
  • Hydraulischer Abgleich für gleichmäßige Wärmeverteilung
  • Laufende Wartungen noch vor dem Winter ausführen

Quellen:

https://www.vde.com/de/presse/pressemitteilungen/2022-07-27-boom-bei-heizluefter

https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/heizluefter-strom-blackout-energiekrise-100.html

https://www.tagesspiegel.de/politik/experten-warnen-vor-stromkrise-600-000-heizluefter-verkauft-der-gasmangel-bringt-habeck-neue-probleme/28557376.html