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Käse aus Stahlkühen - Was verbirgt sich dahinter?

Die Fleischbranche hat er mit „The Vegetarian Butcher“ bereits fleißig aufgemischt – jetzt will sich Jaap Korteweg, Gründer der Marke für vegane Fleischalternativen, an sein nächstes großes Projekt wagen und konventioneller Kuhmilch den Kampf ansagen. Seine neue Firma „Those Vegan Cowboys“ soll Käse produzieren, der mit Milch aus Stahlkühen hergestellt wird. Wie das funktionieren soll, hat er in einem Interview mit dem Spiegel verraten.

“Those Vegan Cowboys"

Ein Körper aus Stahl, der das Sonnenlicht reflektiert, über den Metallhörnern prangt an der Wand eines Saloons die Aufschrift „Those Vegan Cowboys“ – bei dem neuen Foto auf dem Instagram-Account der Marke handelt es sich nicht etwa um Werbung für einen neuen Steampunk-Western, sondern um das nächste große Projekt des Niederländers Jaap Korteweg.

Nachdem dieser 2019 seine Firma „The Vegetarian Butcher“ an Unilever verkaufte, wandte er sich schon im nächsten Jahr der Herstellung von Käsealternativen zu. Mit seiner neuen Firma „Those Vegan Cowboys“ verfolgt er das Ziel, „echten“ Käse ohne Kühe herzustellen. Zumindest ohne lebendige: stattdessen sollen „Stahlkühe“ mit integrierten Bioreaktoren Milchproteine produzieren. Es würde sich bei dem Käse aus der Milchalternative also streng genommen nicht um ein veganes Produkt aus pflanzlichen Stoffen handeln – dennoch könnte auf Massentierhaltung und das damit einhergehende Tierleid verzichtet werden.

Gefüttert werden die Metall-Wiederkäuer mit einer aus Gras gewonnenen Nährlösung: „Der Landwirt muss immer noch die Wiesen und Felder bewirtschaften. Aber er füttert die Stahlkuh und verkauft die Proteine“, beschreibt Korteweg in einem Spiegel-Interview seine Vision.

„Gras füttern – und Milch kommt raus“

„Der Ausgangspunkt war, dass ich mir überlegt habe, wie das bei den Tieren funktioniert und wie wir es übertragen könnten. Also welche Maschine können wir mit Getreide, Weizen und Bohnen füttern, damit Fleisch rauskommt? Und diese Idee hatte ich auch bei Kühen mit der Milch. Gras füttern – und Milch kommt raus.“, so Korteweg weiter. Die Maschine, die der Unternehmer beschreibt, soll nun gebaut werden. Zu diesem Zweck haben er und sein Partner Niko Koffemann mehr als 20 Wissenschaftler:innen mit ins Boot geholt.

Umsetzen wollen die „Vegan Cowboys“ die milchspendende Stahlkuh mit Hilfe von Gentechnik: durch das Einbauen von Rinder-DNA in das Erbgut von Mikroorganismen wie Pilzen oder Hefen sollen diese dazu gebracht werden, im Inneren eines Bioreaktors in der Stahlkuh das Milchprotein Kasein herzustellen. Im Anschluss kann die Lösung mit den Kaseinen entnommen werden, während die genveränderten Produktionszellen zurückbleiben, so der Spiegel.

„Nachhaltigkeit und Hightech – eine gute Kombination“

Die Nährlösung, mit der die Metallkuh gefüttert wird, soll auf Gras basieren. Hier sieht Korteweg auch das Besondere an seinem neuen Projekt. Für ihn ist es kein Widerspruch, Nachhaltigkeit mithilfe von Gentechnik im Labor zu erreichen: „Ich finde, Nachhaltigkeit und Hightech ist eine gute Kombination.“, äußerte der Gründer der „Vegan Cowboys“.

Das Verfahren zur Herstellung des künstlichen Käses funktioniert im Prinzip bereits; nun ist das Forscherteam auf der Suche nach dem richtigen Mikroorganismus, um Proteine auch im großen Stil herstellen zu können. Etwa sieben Jahre soll dies Schätzungen der beteiligten Forscher:innen nach noch dauern.

Immerhin konnte sich das Team um das Projekt „The Vegan Cowboys“ bereits auf einen Namen für ihr Nutztier aus Metall einigen: Margaret soll die Stahlkuh heißen – nach der „Iron Lady“, der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher.

Quellen

https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/vegane-milch-jaap-korteweg-spricht-ueber-landwirtschaft-der-zukunft-und-milch-aus-stahlkuehen-a-9556a51d-6124-41cc-b4b0-0677ee75e2be

https://utopia.de/news/bizarr-those-vegan-cowboys-stahlkuhe-kase-gras-milch/

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