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Überblick

H2 Clipper – Zeppelin mit Wasserstoff

Wasserstoffautos, die statt Schadstoffen nur harmlosen Wasserstoff ausstoßen, gelten als besonders umweltfreundlich. Doch im Gegensatz zu Elektroautos sind bislang nur wenige mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge auf dem Markt erhältlich. Ein großes Problem für ihre breit gefächerte Nutzung ist die schlechte Infrastruktur – man steht vor der Herausforderung, mithilfe von Ökostrom gewonnenen Wasserstrom flächendeckend zu Tankstellen zu transportieren. Der Erfinder des modernen Zeppelins H2 Clipper will hier Abhilfe schaffen und seine Luftschiffe im großen Stil für die Wasserstoffversorgung bereitstellen. Ist das die Lösung für das Wasserstoff-Problem?

Wasserstoffversorgung und umweltfreundlicher Frachtverkehr

Für das amerikanische Unternehmen H2 Clipper ist ihr moderner Zeppelin der Heilsbringer im Kampf gegen den Klimawandel. Die Firma ist überzeugt, dass ihr Luftschiff die Lösung für das Wasserstoff-Problem darstellt. Wasserstoff ist nur dann wirklich klimaneutral, wenn er mithilfe von Ökostrom hergestellt wird, was bisher nur in einigen Regionen, zum Beispiel an den Küsten, wo Energie aus Windkraft erzeugt wird, möglich ist. Man steht allerdings vor dem Problem diesen grünen Wasserstoff ökologisch zu transportieren und überall im Land an Tankstellen zu verteilen. Eine flächendeckende Versorgung wiederum ist eine Grundvoraussetzung, damit sich umweltfreundliche, mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge besser auf dem Markt durchsetzen. Der H2 Clipper soll dieses Transportproblem lösen und eine breitgefächerte Wasserstoffversorgung gewährleisten, aber nicht nur das: Das Unternehmen möchte mit seinen Luftschiffen den gesamten Frachtverkehr umweltfreundlicher machen. So sagt die Firma, dass ihr Zeppelin bis zu zehnmal soviel Nutzlast wie ein herkömmliches Frachtflugzeug transportieren kann und das zu einem Viertel des Preises. Zudem würde der Zeppelin, der eine Reichweite von bis zu 10000 Kilometern erreicht, mit grünem Wasserstoff betankt umweltfreundlich unterwegs sein. Das klingt in der Tat nach einem Meilenstein im Kampf für eine klimafreundliche Zukunft.

Ein schönes Zukunftsszenario mit einem großen Aber

Das klingt nach einem schönen Zukunftsszenario, allerdings gibt es – wie bei so vielem – auch hier einen Haken: Der H2 Clipper hat noch gar keine Flugerlaubnis und es ist nicht gesagt, ob er diese erhält. Noch immer unvergessen ist nämlich die „Hindenburg“-Katastrophe vom 06.Mai 1937, bei der 36 Menschen ums Leben kamen, als sich der mit Wasserstoff betankte Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ bei der Landung im amerikanischen Lakehurst entzündete. Diese Tragödie, deren Ursache nicht einwandfrei geklärt werden konnte, stellte für lange Zeit das Ende der Verkehrsluftschifffahrt dar. Erst 1997 hob wieder ein Zeppelin ab – diesmal mit nicht brennbarem Helium betankt. Und jetzt möchte der mit Wasserstoff gefüllte H2 Clipper also den Frachtverkehr revolutionieren – da sind viele erst mal skeptisch. Der Hersteller selbst gibt sich jedoch zuverlässig, schließlich schreiben wir das Jahr 2022 und der moderne H2 Clipper hätte mit dem verunglückten Luftschiff von damals kaum etwas gemein. Der Clipper ermögliche eine komplett emissionsfreie Warenlieferung und könnte entscheidend im Kampf gegen den Klimawandel sein. In der Tat bleibt aus Sicht von Umwelt und Klima zu hoffen, dass der Zeppelin die Flugerlaubnis erhält. In Hinblick auf die Flugsicherheit erscheint es logisch, dass ein Luftschiff des 21. Jahrhunderts effiziente Verbesserungen im Vergleich zu einem Zeppelin aus den 1930er-Jahren aufweist. Natürlich werden die zuständigen Behörden das Luftschiff vor der Zulassung auf Herz und Nieren überprüfen und sofern der Hersteller Recht behält, sollte der Genehmigung dann nichts mehr im Wege stehen.

Allgemeine Vor- und Nachteile von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen

Wenn eine flächendeckende Versorgung mit grünem Wasserstoff gewährleistet ist, bringt dieser für Fahrzeughalter und in Sachen Nachhaltigkeit einige Vorteile mit sich. So laufen wasserstoffbetriebene Fahrzeuge umweltfreundlich, weil sie keine Schadstoffe in die Atmosphäre abgeben. Sie lassen sich außerdem binnen weniger Minuten betanken und erreichen mit einer Tankfüllung eine Reichweite von bis zu 500 km. Ein Nachteil der Technologie ist ihre Ineffizienz – Herstellung, Aufbewahrung, Transport und Betrieb von Tankanlagen veranschlagen jede Menge Energie. Unterm Strich sind Elektrofahrzeuge deswegen effizienter. Außerdem gibt es bislang sehr wenige Wasserstofffahrzeuge, die alle auch noch sehr teuer sind. Damit sich Wasserstoff auf dem Fahrzeugmarkt durchsetzt, muss also noch so einiges passieren.

Quellen

https://efahrer.chip.de/news/kommen-nun-die-zeppeline-zurueck-sie-sollen-wichtiges-wasserstoff-problem-loesen_106664

https://de.wikipedia.org/wiki/LZ_129#„Hindenburg“-Katastrophe

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stock.adobe.com / Michael Rosskothen