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Freund von Greta Thunberg segelte in 80 Tagen um die Welt – fürs Klima

Boris Herrmann machte mit seiner Teilnahme an der Vendée Globe und seinem (letztlich unglücklichen) fünften Platz nicht nur von sich und seinem einsamen Rennen durchs Weltmeer Reden. Er führte den vernetzten Zuschauern auch einen Lebensraum vor Augen, der dramatischer von klimatischen Veränderungen betroffen ist als jeder andere.

Mehr als nur Sport

Der deutsche Segler Boris Herrmann machte mit seiner Teilnahme an der Vendée Globe, der härtesten Einhand-Regatta der Welt, die weltumspannend am Südpolarmeer entlangführt, von sich und diesem Rennen Reden. Bis zuletzt fuhr er gar um den Sieg mit, stieß jedoch unglücklich auf den letzten Seemeilen mit einem spanischen Fischkutter zusammen. Dennoch kam, auch durch eine Zeitgutschrift (da Herrmann sich an der Bergung eines in Seenot geratenen Konkurrenten beteiligt hatte), ein respektabler fünfter Platz dabei herum.

Doch ging es Boris Herrmann nicht nur um sportliche Meriten. Der deutsche Segler, der auch einige Bekanntheit dadurch erlangt hatte, die Klimaaktivistin Greta Thunberg auf ihrer Seereise in die USA begleitet zu haben, nutzte das Rennen, um via Social Media die Zuschauer ganz nah an Bord zu holen. Auch um ihnen einen Lebensraum vor Augen zu führen, der vielleicht grundsätzlicher vom Klimawandel betroffen ist als jeder andere. Mit mittel- bis langfristigen Auswirkungen auf ihn selbst und das gesamte irdische Kollektiv, die wir nur in Teilen abschätzen können. Wir wissen vor allem eins. Sie sind beunruhigend und schwerwiegend.

Die vergiftete Quelle

Zeit unserer menschlichen Geschichte war das Meer eher Hindernis als Lebensraum für uns. Den Erlebnishorizont der meisten Menschen streift das Meer nur, wenn wir Urlaub am Strand machen oder wenn wir Fisch essen. Doch jene, die es regelmäßig bereisen, von und an seinen Küsten leben oder es aus der Luft beobachten, sehen die Zeichen der Zeit überall. Treibende Eisschollen, abgesprungen von den Polarkappen, wo vorher (zumindest in dieser Masse) nie welche gesichtet wurden. Strudel aus Plastikmüll von gewaltiger Ausdehnung. Und ein signifikanter Artenrückgang, vor allem in den Korallenriffen. Ganze Habitate verschieben sich oder verschwinden in beunruhigender Geschwindigkeit, unsichtbar unter der Wasseroberfläche.

Und dies sind nur einige der erschütternden Standortbestimmungen. Da Wasser ein signifikanter Temperaturträger und auch an biochemischen Prozessen des Klimas unmittelbar beteiligt ist, wird es als Lebensraum mit ganzer Breitseite von klimatischen Veränderungen getroffen. Dabei hat sich das Meer bislang als sehr resilient erwiesen. Tatsächlich ist es die größte natürliche Kohlenstoffsenke, die wir kennen. Doch wie lange noch? Es mehren sich die Anzeichen, dass die Ozeane an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Und dann werden wir mehr Probleme haben, als „nur“ einen steigenden Meeresspiegel. Probleme, auf die auch Boris Herrmann unermüdlich aufmerksam machen wird, wenn er in vier Jahren wieder an der Vendée Globe teilnimmt.

Quellen

https://www.sport.de/news/ne4336344/segeln-boris-herrmann-will-erneut-an-vendeeglobe-teilnehmen/

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/klimawandel-der-meere#bekampfung-des-klimawandels-durch-einlagerung-von-co2-im-meeresboden

https://cordis.europa.eu/article/id/33614-new-study-shows-oceans-carbon-catching-ability-under-threat/de

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