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Das Mobilitätskonzept der Zukunft: alles, was du über Seamless Mobility wissen musst

Veränderte Nutzerbedürfnisse und Umweltbedingungen sowie technische Innovationen werden zum Motor für neue Mobilitätsmuster und prägen die Fortbewegungskonzepte von morgen: Die Zukunft der Mobilität heißt Seamless Mobility und ist vernetzt, geteilt, digital und postfossil.

>Nahtlose Mobilität – ein Zukunftskonzept

Stell dir vor, es ist Montagmorgen und du machst dich auf den Weg zur Arbeit. Du schaust in deine seamless-mobility-App und siehst, dass gleich um die Ecke ein freier E-Scooter steht. Jacke an, raus aus der Haustür auf rauf auf den Roller, um schnell zur nächsten Zugstation zu fahren. Noch in der Bahn kannst du in der App in Echtzeit checken, ob an deiner Station ein Carsharing-Fahrzeug oder ein E-Fahrrad zur Verfügung steht. Statt 20 Minuten Fußweg von der Endstation zum Job heißt es jetzt nur noch aussteigen, umsteigen und 5 Minuten später im Büro sitzen. Dein Arbeitsweg verkürzt sich um die Hälfte, bezahlt hast du das Ganze gebündelt über die App.

Was (noch) nach Zukunftsmusik klingt, könnte mit dem Konzept der „Seamless Mobility“ durchaus möglich werden. Der englische Begriff, der wörtlich übersetzt „nahtlose Mobilität“ bedeutet, beschreibt eine mögliche Antwort auf den Bedarf nach multimodaler, besser vernetzter Mobilität. Wir verraten dir, was genau mit Seamless Mobility gemeint ist und wie diese in der Realität aussehen könnte.

Mobilität wird vielschichtiger und komplexer

Immer mehr Menschen wollen (oder müssen) mobil leben und arbeiten. Private Haushalte investieren in der EU jedes Jahr mehr als eine Billion Euro in Produkte und Leistungen, die das Unterwegssein möglich machen. In Deutschland liegen die Kosten für Mobilität derzeit bei rund 2.800 Euro pro Kopf – Tendenz steigend.

Doch Mobilität, wie wir sie bisher gelebt haben, wird immer weniger zukunftsfähig; Mobilitätsmuster werden komplexer und vielschichtiger. Von Stau geplagte Innenstädte und überfüllte Straßen rütteln schon länger an der dominierenden Stellung des privaten Pkw. Und auch die sich massiv verändernden Rahmenbedingungen für Mobilität – Digitalisierung, Klimawandel, Globalisierung, neue Arbeitsmuster – sorgen für eine Evolution im Bereich Fortbewegung.

Aber was ist Seamless Mobility überhaupt?

Seamless Mobility bezeichnet das Konzept, Mobilität nicht mehr in einzelnen Fortbewegungs- und Verkehrsmitteln zu denken, sondern entlang von Mobilitätsketten zu organisieren. Denn schon jetzt wechseln die meisten Menschen regelmäßig zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln, je nachdem, welches situativ als sinnvollste Wahl erscheint.

Im Sinne der nahtlosen Mobility sollen Mobilitätsangebote einfach, flexibel und anbieterübergreifend nutzbar werden, idealerweise zusammengefasst auf einer einzelnen Plattform. Alles, was du dann noch brauchst, wäre dein Handy und eine einzige App, in der du alle wichtigen Daten zu Tarifen, Optionen und möglichen Routen gesammelt vorfindest. Neue, vernetzte Angebote in einer integrierten App versprechen nicht nur verkehrsträgerübergreifende Mobilität, sondern auch einen erleichterten Zugang für alle Nutzenden.

Vorteile der nahtlosen Mobilität

Auf diesem Wege müssten sich Nutzer:innen zukünftig nicht mehr mit dutzenden komplizierten Anwendungen und Systemen auseinandersetzen. Stattdessen könnten alle genutzten Verkehrsmittel mit nur einer Buchung abgerechnet werden – ein paar Klicks und los geht’s!

Die Vorteile einer solchen nahtlos aufeinander abgestimmten Mobilitätskette, die alle privaten, öffentlichen und kommerziellen Anbieter miteinander verknüpft, liegen auf der Hand. Durch eine Umsetzung von Seamless Mobility wird Mobilität

  • effizienter: Durch das punktgenau Aufeinander-Abstimmen von verschiedenen Services werden Umstiegs-, Warte- und Fahrtzeiten reduziert.
  • günstiger: Eine Bündelung von mehreren Angeboten senkt die Kosten; außerdem müssten Kund:innen nur ein einziges Mal zahlen, auch wenn verschiedene Verkehrsträger genutzt werden
  • nachhaltiger: Vernetzte Mobilitätsketten sorgen dafür, dass vorhandene Mobilitätsangebote effizienter genutzt werden können. So kann ein höheres Verkehrsaufkommen bewältigt und der CO₂-Ausstoß reduziert werden.
  • Damit Seamless Mobility funktionieren kann, müssen jedoch vor allem zwei Voraussetzungen erfüllt werden: eine intelligente, digitale Infrastruktur und ein dezentrales, offenes Mobilitätssystem.

Digitale Mobilität & Sharing

Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung des digitalen Infrastrukturkonzepts liefert die litauische Hauptstadt Vilnius, die mit einer der fortschrittlichsten Mobilitäts-Apps der Welt aufwartet: Trafi zeigt auf einer Echtzeitkarte die zeitaktuellen Positionen von freien Carsharing-Autos, Citybikes, Bussen, Trolleys und Uber-Fahrzeugen. Dank der radikalen Open-Data-Strategie der App fließen außerdem Echtzeitdaten zu Staus, Baustellen und dem aktuellen Wetter in die Routenplanung mit ein (ist es kalt, versucht Trafi beispielsweise, Fußwege so weit wie möglich zu reduzieren) – so können problematische Routen schnell erkannt und neu geplant werden.

Darüber hinaus ist Seamless Mobility maßgeblich geprägt vom Sharing-Prinzip: statt den Besitz von Mobilitätsprodukten anzustreben, bezahlen Menschen zukünftig eher für die Nutzung dieser – wann und wie sie (je nach Situation und Standort) eben benötigt wird. Denn umso mehr Optionen für geteilte Mobilität entstehen, desto weniger sind Nutzer:innen auf ein eigenes Auto angewiesen, um sicher, bequem und zügig unterwegs sein zu können.

Seamless Mobility muss postfossil funktionieren

Da auch die Gesichtspunkte Ressourcen und Nachhaltigkeit Mobilität zunehmend mitgestalten, ist zudem die Integration elektrisch angetriebener Fahrzeuge in zukünftige Mobilitätsleistungen entscheidend. Um einen echten Systemwechsel in der Autoindustrie weg vom Ölzeitalter anzustoßen, müssen nicht nur alternative Antriebe her, sondern auch neue Angebote für vernetzte, effiziente Elektromobilität.

Mit seinem Tochterunternehmen Moia testet VW gerade einen Mobilitätsdienst, der auf eine Kombination aus E-Mobilität und Sharing setzt. Ein Shuttle-Service bestehend aus elektrischen Kleinbussen, die in Hamburg und Hannover per App bestellt werden können, fährt ein Netz aus Tausenden virtuellen Haltestellen an. Bis zu sechs Menschen mit ähnlicher Route können sich so Fahrzeug und Kosten teilen.

E-Mobilität nimmt auch im Bereich Micro Mobility stark zu. Gerade im Bereich E-Roller tut sich auf dem Markt gerade einiges. Viele Hersteller setzen auch hier auf Sharing, wie die Bosch-Tochter Coup oder das Berliner Start-Up Emmy.

Fazit:

Seamless Mobility soll öffentliche, kommerzielle und private Mobilitätsanbieter zu nahtlos aufeinander abgestimmten Mobilitätsketten verbinden und Mobilität so zugänglicher und effizienter gestalten. Voraussetzung sind vielfältige, autonome Mobilitätskonzepte, die flexibel, kosten- und zeiteffizient kombiniert werden können. Dabei sollte die Mobilität der Zukunft aktuellen Ansprüchen gerecht werden: sie darf nicht unnütz Zeit verschwenden und muss neben dem Geldbeutel auch Ressourcen schonen. Diesen Anforderungen gerecht zu werden, wird die große Herausforderung der nächsten Jahre, auf die Mobilitätsdienstleister ihre Innovationsanstrengungen richten sollten.

Quellen

https://blog.starfinanz.de/seamless-mobility-mobilitaet-im-zeichen-der-digitalisierung/

https://www.rolph.de/magazin/seamless-mobility-vernetzte-mobilitaet-ist-hoch-im-kurs

https://www.zukunftsinstitut.de/kunden/zentis-trendnews/trendnews-12/seamless-mobility-die-evolution-der-mobilitaet/

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