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Hybridautos

BMW X1 xDrive 25e

Der Bestseller BMW X1 hat ein Facelift erhalten. Wir haben uns die Neuheiten angesehen, die besonders auf Optik und Infotainment entfallen. Zudem kommt die Plugin-Hybrid-Version BMW X1 25e, die wir nun auch gefahren sind. Von Thomas Majchrzak

18.12.2020 • 00:53 Uhr

Exterieur

Während der BMW X3 eine Länge von 4,71 m aufweist, sind es beim BMW X1 4,44 m. Der Basispreis für einen BMW X1 liegt bei gut 30.000 Euro, man kommt aber locker über 40.000 Euro mit Motorisierung und Ausstattung. Der Plugin-Hybrid mit M Sport Ausstattung und allen Extras erreicht sogar über 60.000 Euro, das ist natürlich viel zu viel, das lohnt sich dann wieder nur, wenn man mit dem PHEV ordentlich Steuern spart.

Mit dem neuen Styling zum Facelift wird die Doppelniere beim X1 breiter und prägnanter, so dass zumindest von vorne ein Unterschied zwischen X1 und X3 etwas schwerer wird. Die Scheinwerfer kommen Basis noch in Halogen, optional in LED, und neu optional in Adaptiver-LED-Technologie. Sie sind schlanker und erhalten eine neue Tagfahrlicht-Optik. Das Seitenprofil folgt klaren Designlinien. Standard sind 17-Zoll-Leichtmetallräder, 18 Zoll sind z.B. ein guter Kompromiss aus Optik und Komfort. Hoch geht es bis 19 Zoll. Der X1 sieht mittlerweile mehr nach SUV aus und nicht mehr so sehr nach Crossover, wie etwa der Coupé-Bruder BMW X2. Die Außenspiegel projizieren ein X1-Licht-Logo auf den Boden, wenn man das optionale Licht-Paket gewählt hat. Das bullige Heck fügt sich mit der horizontalen Scheinwerfer-Struktur in die Linie der anderen aktuellen Modelle ein. Die Heckschürze wurde im Facelift neu gestaltet. BMW X1 und X2 sind übrigens die einzigen BMW-SUVs, die in Deutschland gebaut werden, in Regensburg. Die anderen größeren werden in Spartanburg (USA) gefertigt, weil dort auch der Hauptabsatzmarkt ist.

BMW X1 xDrive 25e

Die Ausstattungspakete werden nun übrigens optisch noch stärker voneinander abgegrenzt. Neben der Basisausstattung gibt es Sport Line, xLine und M Sport. Der BMW X1 M Sport verfügt z.B. über das M Sportfahrwerk inkl. Tieferlegung (optional adaptive Federung), die erweiterte BMW Individual Hochglanz Shadow Line mit erweiterten Umfängen, etwa eine schwarze Heckschürze, und das M Aerodynamikpaket. Die Doppelniere hat schwarze senkrechte Stäbe und einen Chromrahmen, vorderer Spoiler und Radhäuser sind in Wagenfarbe gehalten. Bei der xLine sieht das anders aus, dabei gibt es helle Stäbe in der Doppelniere und eine klassische Plastik-Beplankung an den Radhäusern im Offroad-Stil.

An neuen Farben gibt es Jucarobeige, Misano Blau metallic (exklusiv für das M Sport Modell) und die BMW Individual Farbe Storm Bay metallic.

Interieur

Das Interieur ist beim BMW X1 grundsätzlich eher klassisch, dominierend ist die horizontale Spange entlang des Armaturenbretts, wie von anderen BMW-Modellen gewohnt thront darüber der große Breitbildformat-Screen. Los geht es mit 6,5 Zoll ohne Touch, optional 8,8 Zoll mit Touch und mit Navi, das Top-Infotainmentsystem kommt neu in 10,25 Zoll. Die Apple CarPlay Verbindung erfolgt kabellos. Die Software-Version hier ist das BMW Operating System 6.0, d.h. aktueller als zuvor, aber nicht die 7.0 Version, die man aus den neuen großen BMW oder vom Einser kennt. Insofern hat man auch nicht die natürliche Sprachsteuerung, die man über „Hey BMW“ auslösen kann, aber man kann durchaus Sprachbefehle nutzen, z.B. eine Zieleingabe für das Navigationssystem, nachdem man die Sprach-Taste am Lenkrad aktiviert hat.

Die darunter liegenden Bedienelemente sind in einer Trapezform eingefasst. Die Instrumente kommen mit einer Mischung aus analog und digital, ist die Zündung aus, ergibt sich eine schwarze Fläche, ist die Zündung an, werden die analogen Scheiben von unten beleuchtet. Rein digital ist das kleine Display in der Mitte, entweder in 2,7 oder in 5,7 Zoll (wenn man ein größeres Display in der Mitte wählt, kommt dieses dann automatisch). Optional steht ein Head-Up-Display zur Verfügung. Grundsätzlich macht das gesamte Interieur einen sehr hochwertigen Eindruck, lediglich die Klimaeinheit ist etwas lieblos geraten, etwa mit den Weichgummi-Umrandungen der Temperatur-Knöpfe. Neu im Facelift sind mehr Kontrastnähte für die Ausstattungslinien oberhalb der Basisversion sowie eine farbliche Abstimmung des unteren Armaturenbrett-Bereichs an das restliche Interieur. An USB-Verbindungen gibt es nun USB-A ganz vorne in der unteren Konsole, USB-C unter der Armlehne und 2x USB-C im Fond.

Neben einem Basis-Sitz mit Stoffbezug gibt es neu einen optionalen Sportsitz mit Stoff/Sensatec-Kombination in Anthrazit mit Akzent in Grau. Für den BMW X1 Sport Line ist diese Innenausstattung mit Akzent in Grau bereits serienmäßig, optional mit Akzent in Orange. Für den BMW X1 M Sport ist serienmäßig neu die Stoff-/Sensatec-Kombination Micro Hexagon Schwarz mit M Keder erhältlich. Der Sitzkomfort ist gegenüber einem X3 geringer, auch im Wettbewerbsvergleich muss man in puncto Sitzkomfort (und auch beim Preis-Leistungsverhältnis) z.B. einem VW Tiguan den Vorzug geben.

Erfreulich ist die umfangreiche Serienausstattung:

– Stoffsitze
– 6,5″ Farbbildschirm (kein Touch)
– Freisprecheinrichtung/Audiostreaming (Bluetooth)
– USB/iPod Schnittstelle
– Klimaanlage
– Tierhautlenkrad mit Multifunktion
– Armauflage vorn und hinten
– Ablagenpaket
– Intelligenter Notruf inkl. Teleservices
– Auffahrwarnung mit City Anbremsfunktion – Regensensor inkl. Fahrlichtsteuerung
– Nebelscheinwerfer

Für gut 200 Euro extra gibt es übrigens eine Lenkradheizung. Allerdings nur in Verbindung mit dem Sport- und M-Sportlenkrad. Die Sport Line Variante sieht außen und innen sportliche Elemente vor.

Wichtig ist die Flexibilität im Innenraum, die Rückbank ist serienmäßig im Verhältnis 40:20:40 dreiteilig umklappbar. Die komplette Sitzbank kann man (nicht erhältlich für 25e PHEV!) optional 13 cm der Länge nach vorne und hinten verschieben. Das garantiert dann auch eine ausreichende Beinfreiheit für große Personen hinten. Zudem kann man die Lehnen der Rückbank in der Neigung verstellen, so kann man auch im Fond sehr aufrecht und komfortabel sitzen. Der BMW X1 PHEV 25e hat eine um 3 cm erhöhte Rückbank, um die Batterie darunter zu verstauen. Somit hat man hier im Fond etwas weniger Kopffreiheit. Ohne Panorama-Dach kann man aber als großer Mensch hinten trotzdem noch locker sitzen. Der BMW X1 bietet somit als kleinstes BMW SUV bereits ausreichend Platz für alle. Der Laderaum fasst generell 505 bis 1.550 Liter, der Plugin-Hybrid verliert lediglich etwas Stauraum unterhalb der Kofferraumabdeckung. Eine elektrische Heckklappe ist optional. Die bisher verfügbare Option, die Rückbank auch elektrisch vom Kofferraum aus zu entriegeln, entfällt leider mit dem Facelift. Laut BMW hatten nicht genügend Kunden diese Option nachgefragt.

Motoren

sDrive: Vorderradantrieb
xDrive: Allrad

Benziner

sDrive 18i – 1,5 l mit 136 PS (3-Zylinder)
xDrive 20i – 2,0 l mit 192 PS
xDrive 25i – 2,0 l mit 231 PS – 6,5 Sek. 0-100 km/h – 8-Gang-Automatik
In den USA heißt der Basismotor 28i, es handelt sich aber auch um denselben 230 PS Motor.

Plugin-Hybrid

xDrive 25e – 125 PS Benziner für die Vorderachse plus 95 PS Elektromotor für die Hinterachse = 220 PS Systemleistung
9,7 kWh Batterie (brutto) / 8,8 kWh (netto), elektrische Reichweite 50 km

Diesel

sDrive 16d – 1,5 l mit 116 PS (3-Zylinder) – Handschaltung oder 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
xDrive 18d – 2,0 l mit 150 PS
xDrive 20d – 2,0 l mit 190 PS
xDrive 25d – 2,0 l mit 231 PS – 6,6 Sek. 0-100 km/h

Fahrverhalten

Wir sind bereits den BMW X1 xDrive25i gefahren, Modell M Sport, in Misano Blau. Er zeigt sich ausgewogen im Handling und bietet eine gute Übersicht. Der Motor ist zudem jederzeit drehfreudig. Bei diesem Top-Benziner BMW X1 xDrive 25i mit 231 PS und Allrad erfolgt die Beschleunigung in zügigen 6,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Ähnlich ist es übrigens beim Top-Diesel xDrive 25d. So bleibt in allen Lebenslagen mehr als ausreichend Durchzug. In Verbindung mit dem sportlichen Fahrwerk ergibt sich sogar ein weniger SUV-typisches, sondern ein sehr sportliches Fahrgefühl. Die direkte Lenkung mit dem Fahrfreude versprühenden M-Sportlenkrad tut ihr Übriges. Beim BMW X1 erhält man allerdings, im Gegensatz zum größeren und höheren X3, immer noch eine Art Crossover-Gefühl beim Fahren. Man fährt also kein hochbeiniges SUV, sondern eher einen sportlichen Crossover. Wer also gerne SUV und Sportlichkeit verbindet, wird sich freuen. Wer es etwas sanfter mag, verzichtet schon mal auf jeden Fall aufs fixe Sportfahrwerk oder wählt das optionale adaptive Fahrwerk. Letzteres testen wir diesmal, es punktet in allen Situationen, verbindet Komfort und Sportlichkeit wunderbar. Im Sport-Modus ist die Abstimmung dann etwas straffer, im Comfort-Modus hat man mehr Abrollkomfort.

Der Allradantrieb funktioniert übrigens nach dem Prinzip vorne+hinten bei Bedarf, weil die Plattform grundsätzlich auf Frontantrieb basiert. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven merkt man aber spürbar, dass auch ordentlich Drehmoment auf die Hinterachse geschickt wird. Trotz elektrischer Einstellmöglichkeit der Sitze konnten wir mit der etwas harten Tierhaut-Polsterung auf Langstrecken keine optimale Sitzposition finden, dieses Problem löst sich, wenn man wie s.o. die Stoffvariante nimmt, weil die Oberfläche sich dann dem Körper besser anpasst.

Ansonsten fühlt sich der neue BMW X1 in allen Einsatzgebieten wohl, klein genug für die Stadt, sportlich und kraftvoll genug für die Landstraße, souverän genug für die Autobahn.

Nun vergleichen wir den BMW X1 25e, der ebenfalls mit Allrad kommt, daher auch xDrive offiziell mit im Namen trägt. Die Beschleunigung erfolgt hier in 6,9 Sek, also auch noch recht zügig. Der 3-Zylinder-Benziner hört und fühlt sich bei starker Beschleunigung allerdings etwas angestrengter an als der Vierzylinder. Dafür gibt es aber auch elektrischen Boost von der Hinterachse. Zudem kann man den X1 ja auch komplett elektrisch fahren, die elektrische Reichweite von gut 50 km kann man auch erzielen. Im reinen E-Modus spürt man dann etwas mehr Agilität, weil man rein mit Heckantrieb unterwegs ist. Man kann auch nennenswert rein elektrisch beschleunigen, bevor sich der Verbrenner dazuschaltet. Lediglich wenn man das Gaspedal komplett durchtritt, springt der Benziner immer sofort an. Normal fährt man im Hybrid-Modus, bei dem das Fahrzeug dann selber entscheidet, was gerade gut ist. Grundsätzlich wird bei den BMW Plugin-Hybriden recht viel elektrisch gefahren/gewählt. Geht man vom Gas, kann man immer wieder rekuperieren, wobei die Rekuperation nicht sehr stark ist, es soll eher das Gefühl wie bei einem normalen Verbrenner aufkommen. Mit Bremsdruck kann man dann stärker rekuperieren, noch bevor die normalen Bremsen einsetzen. So hat man immer wieder elektrische Momente. Insgesamt macht das lautlose Fahren richtig Laune, verbunden mit der Heck-Charakteristik.

Beim Fahrwerk setzt BMW beim X1 PHEV auf eine Mischung aus Basis-Fahrwerk und M Sportfahrwerk. Das adaptive Fahrwerk ist für den 25e nicht erhältlich. Das Setup ist wie beim Basis-Fahrwerk, aber die Höhe ist wie beim Sportfahrwerk vermindert. Insgesamt finden wir, dass es auch eine ausgewogene Mischung darstellt.

Der Verbrauch ist schwierig zu fassen, weil es auf die elektrische Ladung ankommt. Im Mix erzielen wir 4,5 l / 100 km Benzinverbrauch plus 4,5 kWh / 100 km Energieverbrauch.

Die Assistenzsysteme funktionieren wie von BMW gewohnt perfekt, auch das optionale Head-up-Display ist klar und deutlich und hilft dabei, den Blick dauerhaft auf der Straße zu lassen. Leider gibt es auch mit dem Facelift nun immer noch keinen Toten-Winkel-Warner.

Abmessungen

Länge: 4,44 m
Breite: 1,82 m
Höhe: 1,60 m
Radstand: 2,67 m
Leergewicht: 1.505 – 1.650 kg

Fazit: Der BMW X1 wird mit dem Facelift leicht optisch aufgefrischt und wirkt gerade in der Front präsenter. Im Innenraum dominiert das Update beim Infotainment-System, das nun klarer und auf Wunsch größer ist und auch schon eine gewisse Sprachsteuerung bietet. Die Verarbeitung ist tadellos und die Serienausstattung für einen Premium-Hersteller umfangreich. Besonders positiv beim BMW X1 ist die Flexibilität im Innenraum. Im Fahrverhalten gibt sich der X1 sehr ausgewogen, bietet eine gute Mischung. Gerade mit dem adaptiven Fahrwerk hat man eine tolle Verbindung von Sportlichkeit und Komfort. Vermissen tun wir nach wie vor den Toten-Winkel-Warner. Der BMW X1 PHEV 25e macht viel elektrische Freude, gerade beim leisen Fahren rein im E-Modus mit Heckantrieb. Der Preis geht hier weiter in die Höhe und es lohnt sich nur, wenn man durch die Steuerersparnisse wieder etwas reinbekommt.